Vorlesestunde in der Stadtbücherei: Mit Kindern eintauchen in die deutsch-deutsche Geschichte

Dass Geschichten aus den Schicksalsjahren der deutsch-deutschen Teilung auch heute noch für Kinder spannend und informativ erzählt werden können, bewies Ralf Steinhorst in der letzten Vorlesestunde der Stadtbücherei. Der Journalist las im Rahmen der „Politisch-kulturellen Wochen“, die sich dem Thema 30 Jahre deutsche Einheit widmen, rund 50 großen und kleinen Besuchern aus dem Buch „Hubendrüben“ von Franziska Gehm vor.

Unterstützung bekam der Vorlesepate bei seiner Vorlesepremiere von zwei Handpuppen. Auf spielerische Weise bezogen die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei, Chantal Perez Romero und Anna Siewert, die Kinder in die Handlung ein. „Hübendrüben“ handelt von Max und Maja, die Cousin und Cousine sind. Sie könnten so viel zusammen machen, aber zwischen ihnen liegt die deutsch-deutsche Grenze. Während Majas erster Schultag groß mit „Kaltem Hund" gefeiert wird, kurvt Max mit dem BMX-Rad durch die Neubausiedlung. Maja liest die „Abrafaxe", Max hört stundenlang „TKKG"-Kassetten. Maja macht bei den Jungen Pionieren mit, Max geht bolzen.

„Immer sehen und hören die Kinder, was Gleichaltrigen hüben und drüben wichtig und geläufig war“, sagt Ralf Steinhorst. Obwohl keiner der Zuhörer in der Vorlesezeit älter als acht Jahre war, hätten die meisten ein ungutes Gefühl gehabt bei den Geschichten aus der deutsch-deutschen Parallelwelt. Ralf Steinhorst schaffte es, sein Publikum in das Geschehen einzubeziehen und ihnen die Themen Mauerfall und Wiedervereinigung kindgerecht näher zu bringen. „Am Ende haben auch die Kinder es klar am besten gefunden, dass aus den beiden lange getrennten Ländern wieder eins geworden ist.“

Das Thema des Vorlesenachmittages fesselte auch die großen Zuhörer, die sich anschließend die Fotoausstellung „Sehnsuchtsvolle Tage 1989/1990“ im Lese-Café der Stadtbücherei angeschaut haben. An den folgenden zwei Vorlesenachmittagen, jeweils dienstags, stellen Vorlesepaten erneut Geschichten mit derselben Thematik vor. Auch das heiß geliebte Puppentheater wird in zukünftigen Projekten der Stadtbücherei wieder eine Rolle spielen.

Veranstaltungshinweis:
Am Dienstag, 21. Januar, steht die Vorlesezeit um 16:30 Uhr erneut im Fokus der „Politisch-kulturellen Wochen“. Vorlesepatin Hanne Schomacher liest hierzu aus dem Buch „Fritzi war dabei: Eine Wendewundergeschichte“ von Hanna Schott. Erzählt wird die Geschichte von dem Mädchen Fritzi, das die Umwälzungen des Jahres 1989 in Leipzig hautnah miterlebt. Fritzi darf leider nicht mit zu den Leipziger Montagsdemonstrationen, weil die Erwachsenen sagen, dass diese für kleine Kinder zu gefährlich seien. Aber Fritzi bleibt hartnäckig und will unbedingt wissen, warum so viele Schulfreunde plötzlich in das Land Ungarn verschwunden sind. Und warum streiten ihre Eltern sich nach dem Fernsehgucken neuerdings immer? Dabei wird Fritzi immer klarer, dass sie keine Mauer mehr in der DDR haben will. Eine bewegende Geschichte mit wahrem Hintergrund.

Foto: Ralf Steinhorst las aus „Hübendrüben”

Ralf Steinhorst las aus „Hübendrüben”


Foto: Ralf Steinhorst mit einigen Kindern

Foto: Ewa Salamon, Anna Siewert, Wiebke Wewer und Chantal Perez Romero werden das Handpuppentheater noch öfter für Aktionen der Stadtbücherei einsetzen.

Ewa Salamon, Anna Siewert, Wiebke Wewer und Chantal Perez Romero werden das Handpuppentheater noch öfter für Aktionen der Stadtbücherei einsetzen.