Wo früher von Hand Fässer entstanden - Legendenschild erinnert an Tradition des Küferhandwerks

Das war schon ein Fläschchen Prosecco wert, die Winzer und Weinhändler Marcus Schulz aus Anlass der lang ersehnten Schildenthüllung zum Anstoßen öffnete. Schon zehn Jahre ist es her, dass die kleine beschauliche Verbindungsgasse zwischen Wilhelmstraße und Südstraße zur „Küfergasse“ wurde.

In Erinnerung an ein altes Handwerk, das an dieser Stelle über Jahrzehnte lebendig war, nahm die Stadt Ahlen 2009 die Küfergasse amtlich in ihr Straßenverzeichnis auf. Bis jetzt dauerte es aber noch, dass Natalie und Ewald Schulz, Seniorchefs des gleichnamigen Weinhauses, das zugehörige Legendenschild enthüllen durften. Passanten und Kunden weist es auf die Fassbautradition hin, die es bis in die späten 1960er-Jahre an der Südstraße gegeben hat. Unterstützung kam von den Söhnen Marcus und Ludger, sowie Schwiegertochter Gabi und Enkelin Marieke Schulz.

„Man sieht in der Innenstadt ganz oft diese erklärenden Schilder, so eines wollten wir für unsere Gasse auch“, erzählt Natalie Schulz von der Idee, die auf zahlreichen Spaziergängen durch die Stadt in ihr und ihrem Ehemann reifte. Immer wieder seien sie nämlich darauf angesprochen worden, warum die Küfergasse einen Namen trägt, der eher in Weinbaugebieten vermutet wird. Mit guten Holzfässern lässt sich jedoch weitaus mehr machen, als nur „gute Tropfen“ darin zu lagern. 1929 siedelte Josef Schulz aus Wolbeck kommend nach Ahlen um und brachte das Küferhandwerk in die von Emaille- und Kohle geprägte Stadt. Damals lag der Schwerpunkt noch auf der Produktion von Jauche- und Sauerkrautfässern sowie Schaukel-Waschmaschinen. Durch Ewald Schulz wurde das Sortiment um die Produktion von Sherry-Fässern, Saunabecken und um das Hobeln von Profilleisten erweitert. Heute stellt Sohn Ludger in den modernen Fertigungsräumen im Vorhelmer Gewerbegebiet Brink die allgemeine Holzbearbeitung und Konstruktion von Holzprofilen in den Vordergrund.

Auf offene Ohren stießen die Eheleute Schulz mit ihrem Wunsch nach einem Schild bei Udo Wagener vom Heimatförderkreis. Seit 15 Jahren unterstützt der Verein die Bewahrung des stadthistorischen Erbes. „Vor allem liegen uns solche Straßen am Herzen, deren Bezeichnungen einen konkreten Bezug zu Ahlen haben.“ Die Vita von Persönlichkeiten wird auf Legendenschildern ebenso erläutert wie Flurbezeichnungen. Nun also ein Hinweis auf ein interessantes Kapitel lokaler Wirtschaftsgeschichte, der das Bestreben der Stadt unterstützt, Geschichte konkret erfahrbar zu machen. „Diesen Ansatz verfolgen wir mit unserer Dauerpräsentation im Heimatmuseum, ganz besonders aber mit den Sonderausstellungen“, sagt Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels. Im Sommer lief aus Anlass des 10. Ahlener Museumstages über mehrere Wochen eine gut besuchte Schau, die das Küferhandwerk anschaulich und praktisch präsentierte. Bestaunter Höhepunkt der Ausstellung waren die Demonstrationen von Ewald Schulz, der noch immer mit sicherer Hand die Werkzeuge führte und Beispiele seiner Handwerkskunst bot.

Foto: Auf die rund 40-jährige Tradition des Küferhandwerks an der Südstraße weisen jetzt Legendenschilder an Wilhelmstraße und Südstraße hin.

Auf die rund 40-jährige Tradition des Küferhandwerks an der Südstraße weisen jetzt Legendenschilder an Wilhelmstraße und Südstraße hin.


Foto: Bei der Enthüllung (v.l.): Gabi und Marieke Schulz, Gabriele Moser-Olthoff (Heimatmuseum), Marcus Schulz, Nathalie und Ewald Schulz, Ludger Schulz, Udo Wagener, Christoph Wessels

Bei der Enthüllung (v.l.): Gabi und Marieke Schulz, Gabriele Moser-Olthoff (Heimatmuseum), Marcus Schulz, Nathalie und Ewald Schulz, Ludger Schulz, Udo Wagener, Christoph Wessels