Zehn Jahre Stolpersteine in Ahlen – Verlegung für Marga Spiegel und Familie am Dienstag

Auf den Tag exakt zehn Jahre nach der Verlegung der ersten Stolpersteine in Ahlen werden am Dienstag, 6. Februar, weitere Gedenksteine in das Straßenpflaster gesetzt. Darunter sind in der nunmehr achten Verlegerunde auch Steine für Marga Spiegel und Angehörige der Familie Spiegel.

Die Verlegung der Steine für Familie Spiegel beginnt um 13.00 Uhr an der Ostbredenstraße 41 durch den Künstler Gunter Demnig. Neben einer Ansprache von Bürgermeister Dr. Alexander Berger umrahmen Beiträge von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums St. Michael die Verlegung. Herzlich eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger.

„Mit der Verlegung der ersten Stolpersteine am 6. Februar 2008 hat die Stadt Ahlen ein Kapitel der Erinnerungskultur aufgeschlagen, das den Opfern und Überlebenden der Nazi-Diktatur ein Stück der ihnen geraubten Würde zurückgibt“, sagt Bürgermeister Berger über das Projekt. Die am Dienstag von Gunter Demnig verlegten zehn Steine erinnern ausschließlich an überlebende Ahlener Juden und Jüdinnen. Im Anschluss an die Verlegung in der Ostbredenstraße tritt er an weiteren Standorten im Stadtgebiet in Aktion.

Erinnert wird an die drei Töchter der Familie Obarzanski (Auf dem Handkamp 4), die in den 1930er-Jahren in das britische Mandatsgebiet Palästina emigrierten, wo sich ihre Spuren verloren haben. Hinzu kommen in der Gerichtstraße Steine für den ebenfalls ins heutige Israel emigrierten Chanan Shirun (vormals Hans Sänger) und Grete Untiedt geb. Rosenberg, sowie Steine an der Westenmauer für Herbert Tint und Selma Metzger in der Südstraße.

Die mit einer Messingabdeckung versehenen Pflastersteine sind mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr, dem Deportationsdatum und –ziel sowie dem Jahr der Flucht versehen. Für die Stolpersteine zu Ehren der sieben weiblichen und drei männlichen Personen können Patenschaften erworben werden. Die Stadt Ahlen trägt die Patenschaft für Marga, Siegmund und Karin Spiegel. Eine Patenschaft können Interessierte für 120 Euro pro Stein übernehmen. Auskünfte erteilt Manfred Kehr im Fachbereich für Jugend, Soziales und Integration der Stadt Ahlen unter Tel. 02382 59567 (kehrm@stadt.ahlen.de).

Übersicht der neuen Steine:

Ostbredenstr. 41
HIER WOHNTE
MARGA SPIEGEL
GEB. ROTHSCHILD
JG. 1912
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1943 HERBERN
VERSTECKT ÜBERLEBT

HIER WOHNTE
SIEGMUND SPIEGEL
JG. 1899
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1943 WERNE
VERSTECKT ÜBERLEBT

HIER WOHNTE
KARIN SPIEGEL
JG. 1938
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1943 HERBERN
VERSTECKT ÜBERLEBT
(hierhin auch Verlagerung des Steins von Vater Siegmund Rothschild, bisher Im Kühl 21)

Auf dem Handkamp 4   - Nachverlegung -
HIER WOHNTE
FAJGLA „FANNY“
OBARZANSKI
JG. 1916
FLUCHT 1940
PALÄSTINA

HIER WOHNTE
ZYSLA „SONJA“
OBARZANSKI
JG. 1918
FLUCHT 1936
PALÄSTINA

HIER WOHNTE
LIBA „LILLY“
LOEWY
GEB. OBARZANSKI
JG. 1923
FLUCHT 1939
PALÄSTINA

Gerichtsstr. 15
HIER WOHNTE
GRETE UNTIEDT
GEB. ROSENBERG
JG. 1898
VERHAFTET 1944
ZWANGSARBEIT KASSEL
GEFLOHEN MÄRZ 1945
ASCHEBERG
MIT HILFE ÜBERLEBT

Gerichtsstr. 22  - Nachverlegung -
HIER WOHNTE
HANS SÄNGER
CHANAN SHIRUN
JG. 1914
FLUCHT 1935
PALÄSTINA

Südstr. 28  - Nachverlegung -
HIER WOHNTE
SELMA METZGER
GEB. SPIEGEL
JG. 1894
DEPORTIERT 1941
RIGA
STUTTHOF
BEFREIT

Westenmauer 10  - Nachverlegung -
HIER WOHNTE
HERBERT TINT
JG. 1924
FLUCHT 1939  
ENGLAND

Foto: Ergänzt werden die an der Westenmauer für die Amalie und Adolf Tint verlegten Stolpersteine. Erinnert wird dort ab 6. Februar auch an Herbert Tint, der durch Flucht nach England der Deportation entkam.

Ergänzt werden die an der Westenmauer für die Amalie und Adolf Tint verlegten Stolpersteine. Erinnert wird dort ab 6. Februar auch an Herbert Tint, der durch Flucht nach England der Deportation entkam.