Ein Vierteljahrhundert hat Ralf Topp den Stadtteil mitgeprägt

Sämtliche Höhen und Tiefen in der Entwicklung des Ostenstadtteils hat Ralf Topp in den letzten fast 25 Jahren aus der Nähe mitverfolgt. 1995 wurde er zum ersten Vorsitzenden des damals neu gegründeten Vereins Stadtteilforum Süd/Ost gewählt. Im November gab der frühere AWO-Geschäftsführer das Staffelholz weiter an seinen Nachfolger Alois Brinkkötter.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger bedankte sich nun bei Topp für dessen Arbeit, die „dem Stadtteil und dem Verein einen ganz eigenen Stempel aufgesetzt hat.“ Dem nun gewählten „guten Nachfolger“ wünschte Berger gutes Gelingen an der Vereinsspitze.

„Die Zeiten waren komplett andere“, erinnerte sich Ralf Topp bei der Rückschau an die Anfänge des Stadtteilforums. Mitte der Neunzigerjahre habe das nahende Ende der Kohleförderung auf Zeche Westfalen drohend am Horizont gestanden. Niemand habe wirklich gewusst, wie es nach dem Jahre 2000 im Ahlener Osten und der gesamten Stadt weitergehen sollte. Gedanken zur Nachnutzung des Zechengeländes und zur Einbindung der Menschen in die Stadtteilarbeit sollten jedoch rechtzeitig angestellt werden, war seinerzeit die Idee der Stadt Ahlen. „Bürgermeister Jaunich sprach von einem Betriebsratsbüro für den Stadtteil“, blickt Topp zurück in die Gründungszeit und findet den Begriff für das Stadtteilforum auch heute noch sehr passend. Bürgermeister Berger attestierte Topp „ein glückliches und harmonisierendes Händchen“ gehabt zu haben, als in den Anfangsjahren widerstreitende Interessen verschiedener Träger aufeinandergetroffen seien.

Was nach der Zechenschließung auf dem Gelände gestartet sei, nennt Topp einfach nur „einen großen Knaller“. Mittel in Millionenhöhe seien gebunden worden, um in den zum Glück erhalten gebliebenen Gebäuden neues gewerbliches Leben einkehren zu lassen. Auch das „Haus der Kolonie“ sei nach anfänglichen Startschwierigkeiten zur Jahrtausendwende schnell wieder aus den Schlagzeilen herausgekommen. Kaum jemand wisse heute noch davon. „Aber es bestand in Teilen der Politik die Befürchtung, dort könnte sich ein zweites soziokulturelles Zentrum entwickeln“, erinnert sich der Geschäftsführer des Stadtteilbüros, Hermann Huerkamp. Mit dem von Ralf Topp geförderten Einzug von Ausbildungs- und Qualifizierungsangeboten habe das Haus jedoch eine andere Richtung genommen und sei spätestens seit dem Kolonie-Hochwasser von 2001 unumstritten. „Dort war die Krisenzentrale untergebracht und viele Menschen, die teils immense Schäden erlitten hatten, haben dort Hilfe bekommen.“

Mit den Jahren sei nicht nur das das „Haus der Kolonie“, sondern auch die Arbeit des Stadtteilforums nach Topps Dafürhalten „ruhiger und selbstverständlicher“ geworden. Eine Ansicht, die Nachfolger Alois Brinkkötter teilt. Seit sechs Jahren ist der im kommenden Sommer ausscheidende Leiter der Fritz-Winter-Gesamtschule Mitglied im Verein, der Förderverein seiner Schule gehörte sogar zu den Gründungsmitgliedern. „Ich kann mich noch an mein erstes Ereignis im Stadteilforum erinnern, das war 2003 beim Vorbereitungstreffen für Merry Christmas“. Niemand habe dabei mit dem Erscheinen des Schulleiters gerechnet. „Doch für mich war das selbstverständlich, schließlich kamen und kommen ja auch meine Schülerinnen und Schüler ganz überwiegend aus diesem Stadtteil.“  

Vom Bürgermeister gefragt, was Brinkkötters Agenda der nächsten Jahre sein wird, kommt die Antwort prompt: „Integrations- und Sprachförderung sind die Themen.“ Insbesondere der Zuzug vieler Neubürger aus Ost- und Südosteuropa stelle den Stadtteil und seine Institutionen vor Herausforderungen. „Diese Menschen müssen wir sprachlich und emotional erreichen, daran will ich mit dem Verein arbeiten.“ An der Fritz-Winter-Gesamtschule habe Brinkkötter als Lehrer und Schulleiter viel Glück erfahren dürfen. „Zeit und Engagement möchte ich nun zurückgeben“, sagt der neue Vorsitzende und stellt zugleich unmissverständlich fest: „Aber ganz bestimmt nicht so lange wie mein Vorgänger!“

Foto: Dankesworte für den früheren und Glückwünsche für den neuen Vorsitzenden des Stadteilforums Süd/Ost: v.l. Hermann Huerkamp, Ralf Topp, Alois Brinkkötter, Dr. Alexander Berger.

Dankesworte für den früheren und Glückwünsche für den neuen Vorsitzenden des Stadteilforums Süd/Ost: v.l. Hermann Huerkamp, Ralf Topp, Alois Brinkkötter, Dr. Alexander Berger.