Poröse Knochen – Ernährung und Sport sind wichtige Faktoren bei Osteoporose

„Behandlungsalternativen bei Osteoporose “, so lautete das Thema der Patienteninformationsveranstaltung am Montagabend. Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Selbsthilfe 2022 fand der erste von zwei Vortragsabenden in der Cafeteria im St. Franziskus-Hospital Ahlen statt. Rund 50 Interessierte sind der Einladung zu diesem ärztlichen Vortrag gefolgt.

Dr. Thomas Krohn, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, führte durch den Abend und erklärte den Zuhörern allgemeinverständlich die drei wichtigsten Bausteine der Osteoporose-Prävention: Bewegung, Ernährung, Mineralstoffe und Vitamine. Dazu stellte er die modernen Behandlungsmethoden bei Knochenbrüchen vor, die durch Osteoporose entstanden sind. Das sind vor allem Frakturen im Bereich der Hüfte, des Handknochens, der Wirbelsäule und des Beckens. 

„In Europa geschieht alle dreißig Sekunden ein Bruch aufgrund von Osteoporose. Laut WHO gehört Osteoporose zu den zehn häufigsten Krankheiten in der Welt. Wirbelkörperbrüche gehören zu den häufigsten Folgen der Osteoporose. Diese schleichenden Brüche werden oft nicht als Bruch erkannt, sondern als Rückenschmerzen, Hexenschuss oder als Alterserscheinung gewertet“, klärte der Chefarzt weiter auf.  Durch die Zusammenarbeit vom St. Franziskus-Hospital Ahlen mit der Geriatrie im St. Elisabeth-Hospital Beckum werden im Alterstraumazentrum Patienten:innen ab dem Alter von 70 Jahren hinsichtlich Vitaminmangel und Osteoporose automatisch untersucht. Diese Synergie soll dem Patienten zu schneller Mobilität und wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen. 

„Es gibt heute verschiedene Möglichkeiten der medikamentösen Osteoporose Therapie. Aber auch durch präventive Maßnahmen wie eine gesunde ausgewogene Ernährung, aktive Bewegung sowie Aufenthalt im Tageslicht, eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen, vor allen Dingen Magnesium, Kalzium und Vitamine, fördern den Aufbau des Knochens. Durch die richtige Bewegung wird der Knochenstoffwechsel positiv angeregt und der Knochen kann ausreichend Magnesium und Kalzium einlagern. Dabei sollten Sportarten gewählt werden, die eine Erschütterung und Zugkräfte auf den Knochen ausüben, wie Krafttraining und Jogging. Aber auch Gymnastik, Gehen, Laufen oder Radfahren mindern durch Training der Balance und Koordination das Sturzrisiko. Denn nur durch Zug- und Stoß-Belastung werden die aufbauenden Zellen aktiviert“, so erläuterte Krohn weiter.

Oberstes Ziel bei der Versorgung betagter Patienten ist eine frühestmögliche Vollbelastung zu gewährleisten. Hierbei kommen vor allem in der Hüftendoprothetik und der Stabilisierung von Wirbelkörperbrüchen sog. minimalinvasive Methoden zum Einsatz, durch die extrem gewebeschonend vorgegangen werden kann.

Um die Diagnose Osteoporose einzugrenzen, wird oft ergänzend die Knochendichte über einzelnen Lendenwirbelkörpern und dem Oberschenkelhals bestimmt. Noch genauer kann die Knochendichte über die Computertomographie (QCT) bestimmt werden. Um die entstehende Strahlenbelastung dabei möglichst niedrig zu halten, stehen bereits  noch modernere Verfahren zur Verfügung. Diese sog. pQCT beschränkt sich dabei auf die Untersuchung an den Extremitäten (der Speiche oder Schienbeinkopf), ist aber flächendeckend noch nicht verfügbar.

Die Zuhörenden hatten nach dem Vortrag noch Gelegenheit sich das Doppelballon-Kyphoplastie-Verfahren der Firma Joline erläutern zu lassen. Dabei konnten sie selbst Hand anlegen, um so deren Materialien und Funktionsweise unmittelbar kennenzulernen.

Dazu profitierten sie von der großen Erfahrung der Selbsthilfegruppe für Osteoporose. Die Leiterin der Osteoporose Selbsthilfe Gruppe in Ahlen, Heidrun Wunderlich, startete den Vortrag mit dem Thema Ernährung und stellte das Sportangebot der Selbsthilfegruppe vor.  Angebote finden Interessierte unter www.osteoporose-nrw.de/gruppen/ahlen. 

Osteoporose, übersetzt poröser Knochen, kann jeden treffen: Über 6 Millionen Menschen leiden an dieser Stoffwechselstörung. Schätzungsweise 30 % aller Frauen und 20 % aller Männer erkranken an Osteoporose. Frauen sind häufiger betroffen, weil ein Östrogenmangel nach der Menopause die Erkrankung verstärkt. Die Knochensubstanz wird abgebaut und der Knochen somit poröser und weniger belastbar. Dieser Prozess ist nicht schmerzhaft und verläuft meist vom Betroffenen unbemerkt. Schmerzen entstehen erst, wenn sich Knochenbrüche einstellen. Bei der fortgeschrittenen Osteoporose können schon kleinste Belastungen schlimme Folgen haben. Das Heben einer Tasche oder Umdrehen im Bett, nur leichte Stürze können zu einem Wirbel- oder Knochenbruch führen. 

Foto: Beim Infoabend zum Thema Osteoporose konnten der Vorstand der Osteoporose Selbsthilfegruppe aus Ahlen zusammen mit Chefarzt Dr. Thomas Krohn rund 50 Interessierte begrüßen.

Beim Infoabend zum Thema Osteoporose konnten der Vorstand der Osteoporose Selbsthilfegruppe aus Ahlen zusammen mit Chefarzt Dr. Thomas Krohn rund 50 Interessierte begrüßen.