Rathaus - Sanierung oder Neubau?


Rathaus – Sanierung oder Neubau?

Sanierung oder Neubau von Rathaus und Stadthalle? Der Rat der Stadt Ahlen will am 4. Juli 2019 eine Entscheidung fällen. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen regen Anteil an der Diskussion – nicht zuletzt in Form des laufenden Bürgerdialogs. Die im Rahmen der Informationsveranstaltungen formulierten Anregungen und Ideen sind in den Planungsprozess eingeflossen und sollen Grundlage für die weitere Projektentwicklung sein. Darüber hinaus bietet die Stadt Ahlen eine Hotline, unter der alle Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen können, die von den Fachleuten der Verwaltung möglichst innerhalb von 48 Stunden beantwortet werden. Fragen und Antworten, die von allgemeinem öffentlichem Interesse sind, veröffentlichen wir darüber hinaus – natürlich anonymisiert – an dieser Stelle.

Nutzen Sie unsere Hotline:
Tel. 02382 59555
E-Mail: fragen-rathaus@stadt.ahlen.de

FAQ-Liste

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Warum kann das Rathaus in Ahlen nicht einfach bleiben wie es ist?
Das inzwischen 42 Jahre alte Rathaus ist in einem schlechten baulichen Zustand, Teile des Gebäudes sind aufgrund bautechnischer Mängel gar nicht mehr oder nur eingeschränkt nutzbar. Auch eine zeitgemäße Klimatisierung des 1977 eröffneten Rathauses ist nicht möglich, worunter Mitarbeitende und Besucherinnen und Besucher gleichermaßen leiden. Im Sommer wird es in den Räumen zum Teil sehr heiß, im Winter sehr kalt.

Was genau muss der Rat der Stadt Ahlen am 4. Juli 2019 entscheiden?
Er muss sich zwischen den beiden so genannten Plänen A oder B entscheiden. Plan A bedeutet, dass das bestehende Rathaus umfangreich saniert wird. Plan B sieht einen Neubau am gleichen Standort und den anschließenden Abriss des alten Gebäudes vor. Ebenso soll mit der benachbarten Stadthalle verfahren werden, die ebenfalls bautechnische und funktionale Mängel aufweist.

Sind die Kosten für Sanierung (Plan A) und Neubau (Plan B) identisch?
Nein. Während die Sanierung des bestehenden Rathauses laut Rechnungen von Verwaltung und Gutachtern rund 61 Millionen Euro kosten wird, soll der Bau eines neuen, dann kleineren Rathauses (Stadthaus) inklusive Abriss des alten Gebäudes rund 31,5 Millionen Euro kosten. Der im Plan B ebenfalls vorgesehene Bau eines Bürgerforums als Ersatz für die Stadthalle wird mit 25,3 Millionen Euro veranschlagt. Die Neubau-Variante ist also finanziell vorteilhafter – insbesondere, wenn man auch noch einen Blick auf die Nutzungskosten, vor allem die Energiekosten wirft. Sie machen auf 30 Jahre gerechnet einen erheblichen Unterschied. Im Falle eines kompakten und energieeffizienten Neubaus liegen sie bei 21,7 Millionen Euro, im Falle einer Gebäudesanierung bei 30,6 Millionen Euro. In diesen Berechnungen sind bereits alle anfallenden Nebenkosten wie Architekten- und Ingenieursleistungen sowie die Kosten für die notwendigen Umzüge der Verwaltungsmitarbeiter im Sanierungsfall oder für den Abbruch der Bestandsgebäude im Fall eines Neubaus enthalten.

Wird nach der Entscheidung des Rates sofort mit der Baumaßnahme begonnen?
Die eigentlichen Bauarbeiten werden wahrscheinlich 2022 beginnen und bis 2024 dauern. Anfang 2025 soll das dann sanierte oder neugebaute Rathaus bezugsfertig sein. Nach der Entscheidung des Rates am 4.Juli 2019 geht es zunächst darum, die vorbereitenden Arbeiten wie Ausschreibungen zügig zu leisten.

Kann sich die Stadt Sanierung oder Neubau des Rathauses überhaupt leisten?
Die Finanzierung der Baumaßnahme ist nicht zuletzt aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus für die Stadt Ahlen leistbar, ohne ein unkalkulierbares Risiko eingehen zu müssen. Kreditlaufzeit und Zinsbindung werden für den weitaus größten Teil der Beleihungssumme auf 30 Jahre festgesetzt. Damit wird das Risiko von Zinsschwankungen für Restschulden zum Zinsbindungsende ausgeschlossen. Bei einem angenommenen Zins von 2,5 Prozent wird der Haushalt im ersten Jahr mit 3,5 Millionen Euro belastet, in jedem weiteren Jahr verringert sich diese Summe um rund 50.000 Euro. Bei dieser Rechnung sind mögliche Fördermittel oder auch die schon jetzt ablesbaren Energierkosteneinsparungen von mindestens 300.000 € im Jahr noch nicht eingerechnet.

Wie stehen die Chancen, öffentliche Fördermittel zu bekommen?
Es können sowohl im Falle einer Sanierung als auch im Falle eines Neubaus Fördermittel des Landes beantragt werden. Die größere Aussicht auf Förderung hat die Neubauvariante. Ob und in welcher Höhe das möglich ist, hängt von der konkreten Planung und den jeweiligen Förderprogrammen sowie den konkreten Anträgen ab, für die verbindliche Entwurfszeichnungen und Kostenberechnungen vorliegen müssen. Die Entscheidung fällt das zuständige Ministerium.

Wird aufgrund der Kosten für das Rathausprojekt an anderen Stellen in der Stadt gespart werden müssen?
Nach aktueller Haushaltslage wird die Investition ohne erkennbare Mehrbelastungen für die Bürgerinnen und Bürger zu leisten sein. Das bedeutet auch, dass die so genannten „freiwilligen Leistungen“ der Kommune, zum Beispiel im Bereich Kultur, nicht unter der Sanierung bzw. dem Neubau des Rathauses leiden werden. Denn gerade sie machen eine Stadt besonders liebens- und lebenswert.

Welches Mitspracherecht haben die Bürgerinnen und Bürger?
Seit 2013 hat es regelmäßig Veranstaltungen gegeben, um über die laufenden Planungen rund um das Rathaus zu informieren. Der Bürgerdialog wird fortgesetzt. Der nächste Termin ist am Samstag, 1. Juni in der Stadthalle. Außerdem wird es zu einzelnen Fachthemen, zum Beispiel zu künftigen kulturellen Angeboten im Bürgerforum bzw. der Stadthalle, entsprechende Fachdialoge geben, zu denen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind.

Wenn das alte Rathaus samt Stadthalle grundlegend saniert wird, verändert sich dann sein Aussehen?
Die hinzugezogenen Gutachter gehen davon aus, dass allein aufgrund des notwendigen Wärmeschutzes die Fassade des Rathauses ihr altes Gesicht verlieren wird. So müssen unter anderem die geometrischen Vorsprünge auf ein Mindestmaß reduziert werden. Außerdem gilt es dringend, einen Sonnenschutz zu installieren. Auch in einer öffentlichen Stellungnahme des NRW-Städtebauministeriums zum Ahlener Rathaus heißt es: „Die transluziden (lichtdurchlässigen) Fassaden des Rathauses und der Stadthalle haben bereits unmittelbar nach Fertigstellung erhebliche Mängel aufgewiesen. Beide Fassaden sind in ihrer aktuellen Form aus bauphysikalischer Sicht nicht erhaltungsfähig.“ Diese Einschätzung führte auch dazu, dass das Ministerium als oberste Denkmalbehörde des Landes sich gegen eine Eintragung des 1970er-Jahre-Baus in die Denkmalliste aussprach.

Wie verändert sich das innere Gesicht von Rathaus und Stadthalle im Falle einer Sanierung?
In beiden Fällen besteht erheblicher Handlungsbedarf. Der Grundriss der Stadthalle entspricht nicht den Anforderungen an einen modernen und nutzerfreundlichen Veranstaltungsort. So muss der Haupteingang ins Erdgeschoss verlegt werden, um barrierefrei zugänglich zu sein. Die Errichtung entsprechender Sanitäranlagen ist ebenfalls dringend notwendig. Außerdem gilt es den Küchenbereich zu vergrößern sowie Lagerkapazitäten und Anlieferungsmöglichkeiten für die Bühne zu verbessern. Dies stellt sich aufgrund der baulichen Voraussetzungen als äußerst problematisch dar und wird nicht zu einem uneingeschränkt guten Ergebnis führen.
Eine Optimierung der Büroflächen im Rathaus findet ihre Grenzen durch das vorgegebene Fassadenrastermaß als auch der im Raum stehenden Stützen. Dennoch ist es erforderlich, das Gebäude bis auf die tragende Betonstruktur zu entkernen, da sich einerseits die Fassadenanschlüsse im Decken-, Wand- und Bodenbereich ändern, andererseits der Innenausbau wegen der altersbedingten Nutzung zu erneuern ist.

Könnte man die alte Fassadengestaltung weitgehend beibehalten, indem man modernes Klimaglas verwendet?
Das Gutachten zur „thermischen Bauphysik“ vom 19. Juli 2018 greift diese Frage auf und empfiehlt dringend einen effizienten, außenliegenden Sonnenschutz mit hohem reflektierendem Anteil. Damit dieser bei höheren Windgeschwindigkeiten seine Funktionen erfüllen kann, sind zusätzlich entsprechende Vorkehrungen wie etwa eine Schienenführung oder alternativ eine Doppelfassade notwendig.

Was hat es mit dem Urheberrecht auf sich, das im Zusammenhang mit einer möglichen Sanierung der Gebäude immer wieder genannt wird?
Das Urheberrecht für das Rathaus liegt bei dem Architekten, der es geplant hat. Deshalb ist die Stadt Ahlen im Falle einer Sanierung, die mit Umbaumaßnahmen einhergeht, auf sein Einverständnis angewiesen. Sollte der Rat für eine Sanierung des Gebäudes stimmen, müsste dem Architekten das Recht, das Geäude zu verändern, abgekauft werden. Im Falle eines Gebäudeabrisses erlischt das Urheberrecht des Architekten.

Erhält im Falle eines Neubaus wieder der beauftragte Architekt das Urheberrecht?
Nein, die Stadt Ahlen wird in diesem Fall die Verträge so ausgestalten, dass alle Rechte zu einer späteren Veränderung des Gebäudes bei ihr liegen.

Wo entsteht das neue Gebäude, wenn der Rat sich am 4. Juli 2019 für den so genannten Plan B entscheidet?
Das künftige Rathaus, in den Planungen als Stadthaus bezeichnet, entsteht auf dem Grundstück des jetzigen Rathauses, Westenmauer 10, direkt neben dem bestehenden Gebäude auf dem nördlichen Rathausparkplatz. Erst nach erfolgtem Umzug wird das alte Gebäude abgerissen. Die Außenanlagen werden entsprechend hergerichtet.

Gibt es alternative Standorte?
Diskutiert wurde in der Vergangenheit über mehrere möglichen Alternativen, unter anderem über das ehemalige Werksgelände der Firma Nahrath an der Industriestraße. Der jetzige Rathaus-Standort überzeugt vor allem mit guter Erreichbarkeit sowohl für Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs als auch mit seiner direkten Verbindung zur Innenstadt und seiner Nähe zur Werse. Das Quartier kann auf diese Weise weiter aufgewertet werden und gewinnt an Aufenthaltsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger.

Wird der Neubau kleiner ausfallen als das bestehende Rathaus?
Ja, vorgesehen ist eine Nutzfläche von 4.950 Quadratmetern verteilt auf maximal vier bis fünf Geschosse in Nord-Süd-Ausrichtung. Die kompakte und energieeffiziente Bauweise senkt die Betriebs- und Nutzungskosten im Vergleich zum bestehenden Rathaus erheblich. Auch die Bauunterhaltung wird damit einfacher sein.

Wer zieht in das neue Rathaus ein?
Zunächst einmal rund 250 Mitarbeitende aller Verwaltungsbereiche, die nicht am Standort des neuen Baubetriebshofs arbeiten. Außerdem haben die Ratsfraktionen dort ihre Büros.

Was geschieht, wenn die Verwaltung künftig weniger Mitarbeitende zählt, zum Beispiel aufgrund des technischen Fortschritts?
Um flexibel auf Personalschwankungen und den damit verbundenen Raumbedarf reagieren zu können, würde ein Neubau so konzipiert, dass die Vermietung einzelner Gebäudeteile durch bauliche Abtrennung möglich ist. Größere Sitzungs- und Konferenzräume würden in das hierfür sowieso ausgelegte neue Bürgerforum verlegt.

Ist eine zeitgemäße Gestaltung der Arbeitsplätze aller Verwaltungsmitarbeitenden sowohl im Falle einer Sanierung als auch eines Neubaus garantiert?
Bei beiden Varianten ist das einschließlich einer modernen Vollvernetzung Teil der Planungen. Allerdings sind einem optimalen Zuschnitt der Büros bei einer Sanierung des Rathauses Grenzen gesetzt durch das vorgegebene Fassadenrastermaß und der im Raum stehenden Stützen.

Werden innovative Technologien eingesetzt?
Sowohl bei Sanierung als auch Neubau finden dem Stand der Technik entsprechende moderne und energetisch effiziente Technologien Anwendung. Unkalkulierbare Techniken mit „Pilotcharakter“ sollen nicht Teil der Planungen sein.

Bekommt der Rathausneubau wieder eine Glasfassade?
Wie das Gebäude genau aussieht, wird man erst nach Abschluss des Architektenwettbewerbs sagen können, der nach der Entscheidung des Rates am 4. Juli 2019 über Sanierung oder Neubau ausgeschrieben wird. Vorgesehen ist aber eine in der Bauunterhaltung kostengünstigere konventionelle Außenfassade, die in Teilbereichen durchaus größere Glasflächen vorsieht.

Können im neuen oder sanierten Rathaus die Fenster geöffnet werden?
In beiden Fällen ist das zurzeit so vorgesehen.

Warum ist es so wichtig, dass im Falle eines Neubaus der Passivhaus-Standard garantiert ist?
Unter einem Passivhaus wird ein Gebäude verstanden, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung und dem Funktionsprinzip, mittels Wärmetauscher Lüftungswärmeverluste zu vermeiden, in der Regel keine klassische Gebäudeheizung benötigt. Von „passiv“ ist die Rede, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen wie Sonneneinstrahlung und Abwärme von Personen und technischen Geräten gedeckt wird. Das Ergebnis ist eine positives Raumklima, verbunden mit einem niedrigen Energieverbrauch. Damit ist der Passivhaus-Standard aus ökologischer Sicht erste Wahl und wird auch langfristig zu Kosteneinsparungen führen. Ein Ratsbeschluss der Stadt Ahlen fordert überdies, bei sämtlichen städtischen Neubauten zu prüfen, ob sie in diesem Standard zu errichten sind.

Wird der neue Rathauskomplex barrierefrei?
Barrierefreie Gestaltung bedeutet, dass Menschen mit Beeinträchtigungen, zum Beispiel mit Geh- oder Sehstörungen, aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren, sich problemlos im öffentlichen Raum bewegen können. Sie ist selbstverständlich zwingend in alle Planungen einzubeziehen.

Ist das geplante Bürgerforum Teil des neuen Rathauses?
Nein, es entstehen zwei voneinander getrennte Bauten. Das Bürgerform als multifunktionaler Veranstaltungsort wird auf dem südlich von der Stadthalle gelegenen Parkplatz gebaut. Auch in diesem Fall erfolgt der Abriss der Stadthalle erst nach Fertigstellung des Neubaus.

Wie groß wird das Bürgerforum?
Vorgesehen sind im Erdgeschoss ein rund 800 Quadratmeter großes Foyer, ein 500 Quadratmeter großer Saal mit 600 bis 650 möglichen Sitzplätzen sowie ein kleinerer Saal mit etwa 300 Quadratmetern und circa 300 bis 350 möglichen Sitzplätzen. Diese Bereiche können getrennt voneinander, aber auch zusammenhängend genutzt werden, was ein Höchstmaß an Flexibilität bedeutet. Außerdem wird es einen Gastronomiebereich mit eigenem Eingang, einen Konferenzbereich, in dem auch Rat und Ausschüsse der Stadt Ahlen tagen, sowie Technik- und Verwaltungsräume geben.

Würde ein neues Bürgerforum mehr Gästen Platz bieten als die heutige Stadthalle?
Ja, zurzeit sind bei Bestuhlung der Stadthalle 833 Gäste möglich. Künftig könnten es 900 bis 1.000 sein. Ohne Bestuhlung würden 1.600 Besucher Platz finden.

Ist im neuen Bürgerforum Fremdgastronomie möglich? Könnten zum Beispiel „Starbucks“ oder das „Alex“ als Pächter gewonnen werden?
Der Betrieb eines Cafés, Bistros oder Restaurants im Bürgerforum ist grundsätzlich durch einen Dritten zulässig. Die Entscheidung sollte hier aber auf Grundlage einer entsprechenden Marktanalyse erfolgen, die zeigen wird, ob eine Vollgastronomie an dieser Stelle sinnvoll ist. Sie soll nach dem Beschluss des Rates der Stadt Ahlen zur Grundsatzfrage Neubau oder Sanierung am 4. Juli 2019 erfolgen.

Wenn das Bürgerforum künftig mehr Raum bietet als die Stadthalle – ist es dann in der Unterhaltung auch teurer?
Im Gegenteil. Der jährliche Zuschussbedarf wird sich aufgrund des energetisch effizienteren und vor allem auch betriebslogistisch vorteilhafter zu betreibenden Gebäudes reduzieren.

Könnte der Bau einer Veranstaltungshalle außerhalb des Stadtkerns, die privat finanziert und betrieben wird, nicht eine Alternative zu Stadthalle bzw. Bürgerforum sein?
Grundsätzlich kann ein privat betriebenes Eventcenter in einem Gewerbegebiet errichtet werden. Die große Bandbreite der Veranstaltungen für alle Ziel- und Altersgruppen, die zurzeit in der Stadthalle stattfinden, wird dort aber sicherlich kaum anzubieten sein. Außerdem garantiert der bisherige Standort an der Westenmauer eine gute Erreichbarkeit für Fußgänger, Fahrradfahrer, Autofahrer und ÖPNV-Nutzer gleichermaßen.

Sind bei dem Neubau von Rathaus und Bürgerforum Synergieeffekte vorgesehen?
Ja, so soll zum Beispiel der Konferenzbereich des Bürgerforums so konzipiert sein, dass hier künftig auch die Fachausschüsse und der Rat der Stadt Ahlen tagen können.

Wird es im Umfeld des Rathauses geeignete Freiflächen für Veranstaltungen geben?
Es wird unter anderem einen gemeinsamen Parkplatz zwischen beiden Gebäuden geben, der ansprechend und grün gestaltet ist. Die beiden Gebäude werden zudem durch neu angelegte Grün- und Uferflächen an der Werse fußläufig miteinander verbunden. Auf diese Weise entstehen zusätzliche Freiflächen, die für Veranstaltungen wie zum Beispiel „Ahlen karibisch“ sehr gut nutzbar sind.

Wurden im alten Rathaus und der Stadthalle Gefahrstoffe verbaut? Kann es bei Abriss oder Sanierung zu gesundheitlichen Belastungen für die Ahlener Bürgerinnen und Bürger kommen?
Es hat hierzu bereits Untersuchungen gegeben, die zeigen, dass es Gefahrstoffe nach heutiger Klassifizierung in einem nur geringen Maß gibt. Sie lassen sich relativ unkompliziert entsorgen.

Wie genau erfolgt der mögliche Abriss der Gebäude?
Hierzu gibt es noch keine Detailplanungen. Fest steht aber, dass der Abriss erst nach Errichtung und Bezug der neuen Gebäude erfolgen soll, somit frühestens im Jahr 2024. In der Kostenrahmenschätzung ist ein „konventioneller Rückbau“ in Ansatz gebracht worden, eine Sprengung der Gebäude ist nicht vorgesehen. Es wird selbstverständlich darauf geachtet, dass auftretende Einschränkungen bzgl. der Nachbarschaft bzw. des Verkehrs so gering wie möglich gehalten werden.

Welche Parkmöglichkeiten gibt es während der Bauphase?
Parkmöglichkeiten werden auf einem unbebauten Grundstück in unmittelbarer Nähe geschaffen.

Was geschieht mit der vorhandenen Tiefgarage? Kann die auch in Zukunft weiterhin genutzt werden?
Die Tiefgarage ist als Parkgeschoss nur halbgeschossig in die Erde eingelassen. Will man künftig Rathaus und Rathausumfeld barrierearm gestalten, um möglichst allen Bürgern den Zugang zu ermöglichen, gilt es, ebenerdige Flächen zu schaffen. Die Tiefgarage müsste dann aufgegeben werden. Werse, Grün- und Uferflächen sollen insgesamt ein einheitliches Höhenniveau haben.

Stehen künftig ausreichen Parkplätze zur Verfügung?
Für Autofahrer ist das Rathaus auch künftig mit dem Standort an der Westenmauer als Hauptverkehrsstraße sehr gut angebunden. Im Falle eines Neubaus wird es einen ausreichend großen gemeinsamen Parkplatz für Stadthaus und Bürgerforum geben.

Findet sich die Grundidee, die durch die Werse getrennten Stadtteile mit dem Rathaus zu verbinden, in den aktuellen Planungen wieder?
Auch im Falle eines Neubaus wird auf den Brückenschlag über die Werse nicht verzichtet. Eine direkte Anbindung an Marktplatz und Fußgängerzone, die Aufwertung von Grünanlagen und Plätzen der Begegnung entlang des Wassers sowie die Nähe von Stadthaus und Bürgerforum zu Schule, Kino und Kunstmuseum bieten optimale Ergänzungspotentiale. Es entsteht ein attraktives, lebendiges Quartier.

Kann die Wasserenergie der Werse für das Rathaus genutzt werden?
Das geht aufgrund der zu geringen Fließgeschwindigkeit und der Temperatur des Wassers nicht. Grundsätzlich ist der Einsatz regenerativer Energien sowohl bei der Sanierungs- als auch Neubauvariante aber ein wichtiges Thema.

Wird der Verlauf der Werse im Rathausumfeld renaturiert?
Das ist nicht vorgesehen. Der Uferbereich wird jedoch neugestaltet.

Wie ist das Rathaus gegründet? Kann diese Gründung auch für den Neubau genutzt werden?
Eine Gründung ist die konstruktive und statische Ausbildung des Übergangs zwischen Gebäude und Boden. Das Ahlener Rathaus ruht aufgrund seiner Nähe zur Werse und des somit nur gering belastbaren Baugrundes auf so genannten Bohrpfählen, die die eigentliche Bodenplatte tragen. Ein Gebäude mit anderem Grundriss benötigt eine eigene Gründung. Würde man versuchen, die alte Gründung bzw. Teile davon zu nutzen, müsste man sich stark am bisherigen Grundriss orientieren, was die Gestaltungsfreiheit stark einschränkt. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die über 40 Jahre alten Bodenplatten sowieso erneuert werden müssen.

Werden andere Gebäude, zum Beispiel das Alte Rathaus, die Stadtbücherei, die Zeche Westfalen oder Haus Holtermann, in den Gesamtplanungen berücksichtigt?
Stadtbücherei und Altes Rathaus sind Gegenstand der Planung. In eine umgebaute Stadtbücherei ließe sich die Volkshochschule unterbringen. Die Stadtbücherei könnte in das Bürgerforum integriert werden. Für das Alte Rathaus sind repräsentative Nutzungen denkbar, zum Beispiel das Standesamt.

Kann das zentral gelegene Alte Rathaus nicht künftig den Bürgerservice aufnehmen, um Marktplatz und Innenstadt zu beleben?
Bürgerfreundlicher ist die Variante „Alle unter einem Dach“. Eine zentrale Anlaufstelle für sämtliche Anliegen erspart Zeit und Wege.

Warum sollen bei den Nutzungskosten die energetischen Kosten bei einer Sanierung schlechter sein? Ein Passivhausstandard und mögliche solare Gewinne, besonders die Fassade bietet hier erhebliche Potentiale, sind bei dem Bestandsgebäude sehr wohl möglich und sinnvoll.
Grundsätzlich sollte sowohl bei einem Neubau als auch bei einer Sanierung sowohl aus ökologischer als auch betriebswirtschaftlicher Sicht der Einsatz von regenerativen Energien die erste Wahl sein. Aufgrund der komplexen und aufgelösten Bauweise des Bestandsgebäudes wird eine Sanierung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die energetischen Einsparungen eines auch mit dieser Zielsetzung entsprechend kompakt gestalteten und ohnehin deutlich kleineren Neubaus erreichen können. Neben den hier angesprochenen möglichen und auch notwendigen Einsparungen im energetischen Bereich sind aber auch Einsparungen im Bereich der Bauunterhaltung in einem erheblichen Maße möglich. Diese setzen allerdings zunächst erst einmal eine wartungsarme Außenhaut voraus. Eine Lochfassade mit einzelnen Fenstern und in Teilbereichen auch größeren Verglasungsflächen ist in der Unterhaltung und natürlich auch in der Langlebigkeit gegenüber einer komplett vorgehängten Leichtfassade deutlich im Vorteil. Eine Fassade dieser Art am jetzigen Rathausbaukörper ist aber nur schwer vorstellbar; an einem Neubau wäre eine bauunterhaltungsarme Gestaltung ein weiteres notwendiges Kriterium.
Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass zusätzliche Investitionen in die Nachhaltigkeit für beide Pläne positive Auswirken hätten.

Bei einem Neubau werden für das Stadthaus folgende Zahlen genannt: 4.950 m² Nutzfläche, 8.450 m² Bruttogrundfläche und 250 Mitarbeiter. D.h. ca. 20 m² Nutzfläche pro Mitarbeiter. Wie sind die Vergleichs-Zahlen bei der Sanierung?
Zunächst einmal beinhaltet die für das Stadthaus ausgewiesene Nutzflächenzahl nicht nur Büro- und büroähnliche Flächen sondern auch die zugehörigen Nebenflächen wie Archiv, Lager sowie die sogenannten ‘Stockwerksbezogene Sonderflächen‘ wie Sanitärräume, Teeküchen etc. und die sogenannten ‘ Zentrale Sonderflächen‘ wie Foyer, Anlieferung etc.. Die ausgewiesene Nutzflächenzahl beinhaltet jedoch nicht die ‘Technische Funktionsfläche‘ sowie die ‘Verkehrsfläche‘. Weiterhin ist festzuhalten dass Flächen für ca. 233 Personen (Mitarbeiter/-innen aller Fachbereiche der Stadt Ahlen ausgenommen die der Ahlener Umweltbetriebe sowie die des ZGM) sowie für die Fraktionen bereitzustellen sind. Die Bruttogrundfläche des Rathauses umfasst 14.000 m². Die gesamte Nettogrundrissfläche des bestehenden Rathauses liegt bei 12.500 m² und ist derzeit für 196 Mitarbeiter ausgelegt. Die vergleichbare Nutzfläche liegt bei 6500 m², bestehend aus den Büro- und büroähnliche Flächen nebst zugehörigen Nebenflächen wie Archiv, Lager usw. von 5.125 m² ( vgl. Bericht W+P, Anlage 09, Seite 7) sowie den ‘Stockwerksbezogenen Sonderflächen‘ wie Sanitärräume, Teeküchen etc. und die sogenannten ‘ Zentrale Sonderflächen‘ wie Foyer etc. von ca. 1375 m².  Rechnet man anstelle der tatsächlichen 233 Personen aufgrund der in der Nutzfläche auch enthaltenen, bereitgestellten Büroflächen für die Fraktionen vereinfacht mit 250 Personen, sind für den Neubau, wie schon festgestellt, 20 m²/Person sowie bei der Sanierungsvariante aufgrund der ungünstigeren Grundrissstruktur 26 m²/Person anzusetzen.

Sind bei einer Sanierung Einsparpotentiale durch moderne Großraumbüros und zeitgemäße flexible Arbeitsplätze (aufgrund von Teilzeit oder homeoffice) berücksichtigt?
Das heutige Großraumbüro, dass sogenannte Open-Space Büro erfordert aufgrund angemessener Arbeitsbedingungen (Schallschutz, Bewegungsfreiheit, ausreichend Räume für Besprechungen) Flächen in fast gleichen Größen wie die heute üblicheren Büroraumstrukturen (Kombination aus Einzel- und Doppelbüros mit entsprechenden Besprechungsräumen/-zonen). Folglich kann eine nennenswerte Flächenersparung durch Großraumbüros nicht sinnvoll erzielt werden. Auch eine „1:1“ Flächenreduzierung aufgrund von „flexiblen Arbeitsplätzen“ (Teilzeit/Homeoffice) wurde nicht vorgenommen. Flexible Arbeitszeiten der Mitarbeiter gibt es bereits heute schon (Arbeitsplatzteilung). Ferner besteht beim Homeoffice ein „Recht auf Rückkehr“ der Mitarbeiter/-innen. Hierzu hat es sowohl in der Konzeptionierung der Rathaussanierung /eines Neubaus sowie in der Konzeptionierung des Verwaltungsgebäudes für die Ahlener Umweltbetriebe und das zentrale Gebäudemanagement eine intensive Beteiligung der von der Baumaßnahme direkt betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeben. Ebenso wie in vielen ähnlich gelagerten Projekten kommunaler Verwaltungen sind die von Ihnen idealtypisch benannten Flexibilisierungen der Arbeitswelt in einem mitbestimmungspflichtigen Arbeitsprozess nur eingeschränkt umsetzbar!

Ist der Flächenbedarf für das ZGLM noch in dem Raumkonzept der Sanierung enthalten?
Bei einer reinen Sanierung des Bestandsgebäudes könnten grundsätzlich alle Mitarbeiter/-innen aller Fachbereiche der Stadt Ahlen (ausgenommen die der Ahlener Umweltbetriebe) im Rathaus Platz finden. In dem Raumkonzept des Gutachtens von W+P vom 22.10.15 wird jedoch aufgezeigt, dass bei der hierfür berechneten Variante 1 trotz einer Flächenauslagerung für externe Archive in Höhe von 310 m² eine Fehlfläche für Büro- und büroähnliche Räume von 383 m2 verbleibt, die man kompensieren bzw. in andere Gebäude verlagern müsste. Diese reine Büronutzfläche entspricht in etwa der benötigten Flächengröße des Zentralen Gebäudemanagements. Da bereits im Grundkonzept des Baubetriebs-hofes ein Teil der Belegschaft des ZGM am neuen Standort eingeplant war, hat die Ergänzung des Verwaltungsgebäudes um eine weitere Etage das mit einer möglichen Sanierung verbundene Flächendefizit beseitigt.

Können die Flächen im Bestandsgebäude (im Sinne einer Kostenersparnis) optimiert werden, damit ggf. Teilbereiche fremdvermietet werden, ein Teilrückbau (z.B. der obersten zwei Etagen) möglich wird oder die Stadtbücherei im Rathaus integriert wird? Heutiges Bürgeramt, darüber liegender Ratssaal und die Sitzungssäle böten sich hier an. Die Ratssitzungen könnten künftig in der Stadthalle (geschickte Terminplanabsprache hinsichtlich sonstiger Veranstaltungen vorausgesetzt) stattfinden.
Eine Optimierung zwischen und innerhalb der Gebäudehauptflächen wie Büro-und büroähnliche Nutzflächen, Verkehrsflächen und Funktions-/Technikflächen ist aufgrund der sehr komplexen Baukörperstruktur nicht bzw. nur schwer möglich. Optimierungen im eigentlich genutzten Bereich der Büro-und büroähnlichen Flächen finden zudem ihre Grenzen durch das aufgrund der hexagonal entworfenen Grundrissstruktur vorgegebene vertikale Fassadenrastermaß als auch der im Raum stehenden Stützen.  Im Plan A wurde darüber hinaus bereits eine Optimierung einkalkuliert, da die Mitarbeiterzahl von 196 auf 233 Personen ansteigen wird (Integration der Fachbereiche). Eine Integration der Stadtbücherei ist laut dem Raumkonzept des Gutachtens von W + P vom 22.10.15, Variante 2, möglich, jedoch mit einer zu verlagernden Fehlfläche für Büro- und büroähnliche Räume von insgesamt 1.109 m² verbunden. Ein Teilrückbau in der Höhe des bestehenden Rathauses ist, wenn auch mit erheblichen Aufwand möglich, aber in jedem Fall auch mit Investitionsmehrkosten, Flächenverlust und einer deutlichen Veränderung der jetzigen Kubaturerscheinung verbunden. Zudem kann aus heutiger Sicht auf die Flächen der von Ihnen angesprochenen Gebäudereduzierung nicht verzichtet werden. Auch eine Fremdvermietung scheidet damit aus. Die Ihnen bekannte Gebäudestruktur erschwert in Zukunft eine anderweitige Nutzung von Teilflächen sehr erheblich, da die zentrale Erschließungsstruktur das sichere Abgrenzen unterschiedlicher Nutzer mit unterschiedlichen Anforderungen an Betriebszeiten und Sicherheit kaum ermöglicht. Ein klug geplanter Neubau wird diese fiktiven Trennungen und Separierungen von Teilflächen auch unter dem Aspekt der Entfluchtung im Schadensfall unproblematisch herstellen.  

Welche Nutzungsideen gibt es für den Leerstand "Altes Rathaus" am Marktplatz, wenn die VHS auszieht? Könnte hier doch das Bürgerbüro einziehen und ggf. dann die Stadtbücherei ins Rathaus an der Werse integriert werden (Einsparung von 4,2 Mio. € möglich)?
Das alte Rathaus soll in jedem Fall ein städtisches Gebäude bleiben. Hier sind repräsentative und beratende Nutzungen, wie z.B. das Standesamt, Stadtmarketing und Tourismus etc. vorstellbar. Eine Festlegung ist bisher nicht getroffen worden. Die Raumstruktur und die im Gebäude vorhandenen Barrieren eignen sich jedoch keinesfalls, einen zukunftsorientierten Bürgerservice dort zu platzieren.

Wie ist der Energie- und Ressourcenverbrauch sprich der "Grauen Energie" für den Abbruch/Neubau und andererseits der Sanierung?
Für den Plan A und Plan B wurde eine CO2-Bilanzierung erstellt, vgl. nachfolgende Abbildung. Der Plan B weist diesbezüglich deutliche Vorteile auf. Sollten ergänzende Investitionen in die Nachhaltigkeit der Gebäude erfolgen, wäre dies für beide Varianten (Plan A und B) grundsätzlich möglich.

Der Altbestand ermöglicht durch seine baulichen Zusammenhänge flexible und auch Mehrfachnutzungen der Versammlungsräume und der sonstigen Flächen (Verkehrsflächen, sanitäre Anlagen, etc.), wenn Rathaus, Bürgerzentrum, Stadthalle, Bücherei und Volkshochschule an einem Standort gebündelt werden. Wurden diese Kosten/Betriebskosten bislang ermittelt und gegenüber gestellt, bzw. das Potential ermittelt?
Die Mehrfachnutzungen sind sowohl im Plan A als auch im Plan B (Ratssaal und Sitzungssäle sind im Bürgerforum integriert) gegeben. Das Gebäude der heutigen Bücherei würde ebenfalls in beiden Varianten weiterverwendet werden. Die Nutzung in den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Defizite gerade in diesen Bereichen aufgezeigt. Ergänzend ist beabsichtigt und durch den Aufsichtsrat der Stadthallen GmbH beschlossen worden, vor der Erarbeitung einer Entwurfsplanung für das Bürgerforum oder einer Sanierungsplanung für die Stadthalle, eine dann aktuelle und dem Grundsatzbeschluss des Rates folgende  Markt– und Potenzialanalyse für die weiteren Planungen zu erarbeiten.

Die heutige Stadthalle hat funktionale Probleme - ist auch ein Teilabriss (Stadthalle) denkbar? Entweder wird dann das Bürgerforum laut "Plan B" gebaut und der Ratssaal mit den Sitzungssälen für z.B. die Stadtbücherei oder die VHS umgenutzt (ähnlich "integrative Variante" vom Gutachter W+P)? Oder die Stadthalle wird als Zweckbau deutlich kleiner und kostensparender neu geplant und der Ratssaal mit den Sitzungssälen weiter genutzt?
Bautechnisch ist ein Abriss der Stadthalle sowie der Neubau eines Bürgerforums, welches die heute gewünschte Nutzungsvielfalt bietet, grundsätzlich möglich. Hierzu werden die bewährten und zukunftsfähigen Veranstaltungsformate sowie die immer wieder angefragten und heute nicht realisierbaren Veranstaltungen zu berücksichtigen sein, sowie auch die Ergebnisse der noch ausstehenden Markt- und Potenzialanalyse. Das multifunktionale Raumkonzept des „Bürgerforums“ sollte dementsprechend neben der Nutzungsvielfalt mindestens auch die gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungsgrößen der heutigen Stadthalle bieten können. Insofern würde ein deutlich kleinerer Zweckbau nicht den gewünschten Nutzen bieten.

Jeder Unternehmer, der in der heutigen Zeit vor Erweiterungen, Sanierungen oder auch Neubauten seiner Verwaltung steht, beschäftigt sich im Vorfeld der Planung mit den zukünftigen Anforderungen an die (Büro-)Arbeitsplätze. In dem Antrag der CDU und SPD vom 03.12.2017 (Anlage Nr. 10) ist das Ansinnen zu erkennen. Im Gutachten der Assmann Beraten + Planen GmbH vom 22.10.2018 zum „Plan B“ (Anlage 11) bildet der Bedarfsplan (Anlage Bedarfsplan Stadthaus – Raumprogramm, Stand 01.08.2018)  allerdings nur eine Belegungsplanung ab, die auf in erster Linie konservative Ein- und Zwei-Personen-Büros und mutmaßlich auf die aktuelle Mitarbeiterzahl begründet ist. Aktuelle Erkenntnisse, dass offene Räume das Herz, kleine Besprechungszimmer der Kopf und Kommunikationsnetzwerke der Puls der heutigen Arbeitswelt sind, finde ich hier nicht wieder. Die Vernetzung der Mitarbeiter ist nach Meinung von Fachleuten der springende Punkt. Flexibilität ist das Grundprinzip und Angestellte haben die Freiheit, dort zu arbeiten, wo sie möchten. Stefan Rief, Leiter des Competence Center "Workspace Innovation" beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), nennt das Multilokalität (siehe auch Stefan Rief im Interview): "Mitarbeiter suchen sich unterschiedliche Orte, um ihrer Tätigkeit nachzugehen. Flexibilität ist für sie nicht nur eine Floskel, sondern gewollt." Die Bürotür ist out. Auch eine Stadtverwaltung sollte für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, aber auch mit Respekt vor den Bedürfnissen der heutigen Mitarbeiter, die in den letzten Jahren im Rathaus schwierige Arbeitsbedingungen mitgetragen haben, den Ausblick wagen. Erst wenn man fundierte Erkenntnisse zur zukünftigen Arbeitswelt der Stadtverwaltung hat, kann man die Funktionstüchtigkeit einer vorhandenen Gebäudestruktur beurteilen oder auch eine neue Gebäudestruktur entwickeln. Das gilt natürlich auch für Funktionen wie Stadthalle, Bibliothek etc. Gab es Prozesse, in denen dieser Bedarf ermittelt, diskutiert, abgestimmt wurde? Das kann den Anlagen leider nicht entnommen werden.
Eine auf die heutige Arbeitslandschaft zugeschnittene moderne und effiziente Büroraumstruktur ist das sogenannte Kombibüro. Die Kombination von Räumen für konzentriertes Arbeiten in Einzel- und Doppelbüros, in einigen Bereichen auch Open- Space-Büros (Großraumbüro der heutigen Zeit) sowie unterschiedlich große Flächen für Besprechungen, gezielte Kommunikation und Teamarbeit in abgeschlossenen Räumen als auch bewusst in die Verkehrszonen eingebettet, gewährleistet einerseits ein Maß an Privatsphäre und konzentriertes Arbeiten, andererseits die Verknüpfung von Arbeitsbereichen und ideenfördernder Informationsaustausch. Diese Arbeitslandschaft wird sowohl für ein neues Stadthaus (angedacht als Zweispänner mit breiter Innenzone) als auch bei einer Sanierung angedacht. Allerdings findet diese Ausführung im bestehenden Rathaus aufgrund der Stützenanordnung seine Grenzen. Wie schon zuvor ausgeführt, finden die teilweise als modern vorgetragenen Büroflächenkonzepte ihre Grenzen in den Mitwirkungsrechten der Mitarbeiterschaft und in den der durchaus für den Betriebsfrieden relevanten Akzeptanz von aufoktroyierten Bürostrukturen. Die dazu durchgeführte intensive Beteiligung der Mitarbeiter zeigt sehr deutlich, dass ein Auflösen der Arbeitsplatzstrukturen keine Akzeptanz findet und geeignet ist, den Betriebsfrieden ebenso zu gefährden wie das Arbeitgeberimage, welches für die Gewinnung von leistungsfähigen Kolleginnen und Kollegen zunehmende Bedeutung bekommt. Die vorgetragenen Hinweise zur Flexibilisierungen der Arbeitswelt sind in einem mitbestimmungspflichtigen Arbeitsprozess im Bereich der öffentlichen Verwaltung nur eingeschränkt umsetzbar! Es wird die planerische Aufgabe sein, das Gebäude so flexibel zu gestalten, dass Wandlungen in den Anforderungen ohne großen baulichen Aufwand nachvollzogen werden können. Dies ist unstreitig im Rahmen einer Neuplanung deutlich erfolgversprechender zu erreichen, als in einer Bestandssanierung.


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