Wirtschaftspreis 2014: Firma Carl Geringhoff

Foto: Verleihung des „Ahlener Mammuts“. (v. l.) Benedikt Ruhmöller, Jörg Hakenesch, Esther und Daniel Hansmeier, Peter Schmidt
Verleihung des „Ahlener Mammuts“. (v. l.) Benedikt Ruhmöller, Jörg Hakenesch, Esther und Daniel Hansmeier, Peter Schmidt

Der Wirtschaftspreis 2014 der Stadt Ahlen ist am 23. Oktober an die Firma Carl Geringhoff verliehen worden. Bürgermeister Benedikt Ruhmöller überreichte die Auszeichnung in Gestalt des „Ahlener Mammuts“ an Esther und Daniel Hansmeier, die den Preis stellvertretend für die Eigentümerfamilie sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegennahmen.

Rund 200 Gäste verfolgten die feierliche Preisverleihung in der Stadthalle Ahlen. Daniel Hansmeier dankte in seiner kurzen Rede ganz besonders dem verstorbenen Vater der beiden Geschwister. „Seine Schaffenskraft war der Grundpfeiler für den Erfolg von Geringhoff heute.“ Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machten das Unternehmen stark, um die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen.

„Stadt Ahlen, Wirtschaftsförderung Ahlen und der Verein Pro Ahlen würdigen ein Unternehmen, das mit seinen Produkten, seinem Handeln und seinen Ideen den Wirtschaftsstandort Ahlen mitgeprägt hat“, sagte WFG-Geschäftsführer Jörg Hakenesch schon in seiner Begrüßung. Mit 130 Jahren Erfahrung im Bereich der Herstellung von Erntevorsätzen und Schneidwerken könne man „ruhigen Gewissens“ von einem Traditionsunternehmen sprechen. Das Untenehmen Geringhoff stehe aber nicht nur für Tradition. „Es zeichnet sich am Markt auch ganz stark durch seine Innovationen aus“, hob der Wirtschaftsförderer hervor.

„Verbundenheit, Partnerschaft, Freundschaft“ seien Werte, auf die wir am Wirtschaftsstandort Ahlen besonders angewiesen seien, unterstrich Bürgermeister Benedikt Ruhmöller. „Wenn es um das wirtschaftliche Gedeihen und die lebenswerte Zukunft Ahlens geht, benötigen wir das Miteinander, gemeinsame Zielsetzung und Zusammenarbeit – sozusagen einen Ahlener Common Sense.“ Dafür auch solle der Wirtschaftspreis stehen, der nunmehr zum neunten Male verliehen werde.

Die Carl Geringhoff GmbH & Co. KG stehe für diesen Anspruch genauso wie alle Preisträger der letzten acht Jahre. Dieses mittelständische, standorttreue und traditionsreiche, aber weltweit agierende Unternehmen habe sich, gerade in den letzten zehn Jahren ungemein rasant entwickelt und sei gleichwohl sehr bodenständig geblieben. Geringhoff sei damit „eben ein typisches Ahlener Unternehmen.“

Den Wert familiengeführter Unternehmen betonte der stellvertretende Landrat, Franz-Josef Buschkamp. „Diesen Unternehmen ist anzurechnen, dass wir im Kreis Wa¬rendorf auch schwierige Zeiten besser bewältigen als andere Regionen.“ Das Kreisgebiet beheimate nationale und globale Markt-führer im Maschinen- und Anlagenbau und gehöre so zu den Top-20-Standorten in Deutschland. Geringhoffs Devise „Einfach besser ern¬ten“ trage dazu bei, die Ernteerträge überall auf der Welt zu verbessern. „Darauf dürfen Sie zu Recht stolz sein!“

Schon oft habe Peter Schmidt durch das Unternehmen Geringhoff gehen und sich die Entwicklungen und Neuerungen ansehen dürfen, sagte der Pro Ahlen-Vorsitzende. Das Unternehmen sei vielgeschätzter Partner und kooperiere auf absoluter Augenhöhe mit den Großen dieser Welt. Geringhoff bewege sich, wenn man den gesamten Agrarmarkt betrachtet, in einer Nische. „Aber diese Nische hat großes Potential und hier hat sich Geringhoff einen der besten Namen weltweit erarbeitet. Das Unternehmen fühlt sich hier – Entschuldigung – sauwohl!“

Das Publikum in seinen Bann zog Prof. Dr. Joachim Hertzberg vom DFKI Robotics Innovation Center der Universität Osnabrück mit einem Festvortrag über Perspektiven künstlicher Intelligenz. Er behandelte die Frage, wie Robotertechnik den Ernteeinsatz optimieren kann. Selbstorganisierende Maschinen seien derzeit noch Zukunftsmusik. Der Fortschritt komme jedoch dadurch, dass mehr und mehr Geräte des täglichen Gebrauchs autonom gesteuert würden, um den Menschen zu assistieren.

Bürgermeister Benedikt Ruhmöller betonte zum Abschluss, dass „bei aller Innovationskraft, Exportorientierung und Dynamik seiner Entwicklung“ das Familienunternehmen Wert lege auf Bodenhaftung und Standorttreue. Getreu dem Motto: „Weltweit unterwegs, aber daheim in Ahlen“.

Laudatio des Bürgermeisters im Wortlaut:

Foto: Bürgermeister Benedikt Ruhmöller bei seiner Laudatio
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller bei seiner Laudatio

„134 Jahre alt ist dieses Unternehmen nun; es zählt damit zu den ältesten aktiven Industriebetrieben unserer Stadt. Geringhoff entstand schon, als sich die industrielle Entwicklung Ahlens noch in den Kinderschuhen befand. Ahlen war damals noch die kleine Ackerbürgerstadt. Demgemäß verlegte sich Carl Geringhoff an dem Standort Nordstraße/Lütkeweg 1880 auf die Schmiede und den Landmaschinenhandel.

Doch Erfindergeist und Innovationskraft waren dem jungen Unternehmen wohl schon in die Wiege gelegt: Bereits 1890 entwickelte Geringhoff die erste Dreschmaschine. Schon damals galt, womit sich das Unternehmen heute im Internet rühmt: „Vieles, was heute Standard ist, wurde erstmals von Geringhoff eingeführt“.

Entwickeln, erfinden, den Markt kennen und lesen, um darauf rasch, zielgerichtet, mutig zu reagieren: Das prägte und prägt Geringhoff all die Jahre und zeichnet dieses Unternehmen aus. Der örtliche und regionale Markt waren dabei sicher das Testfeld, aber zugleich das Sprungbrett für das heutige weltweite Agieren, das Engagement vor allem auch auf dem amerikanischen Markt.

1962 der erste Maispflückvorsatz für Mähdrescher, 1983 der klappbare Maispflückvorsatz, 2001 der 12reihige und 2007 der 24reihige Maispflückvorsatz mit der faszinierenden Transportmechanik Wir dürfen sicher behaupten, dass die Maisernte der USA in Ahlen revolutioniert wird.

Pflückvorsätze verschiedenster Zwecke und Formate werden von Geringhoff an diesem Standort produziert; nicht nur für die amerikanischen Maisfelder. 90 % davon werden in über 60 Länder weltweit exportiert; in Europa ist Geringhoff der Marktführer. Das Unternehmen kooperiert mit allen namhaften Produzenten von Erntemaschinen; es genießt gerade auch in der Fachwelt größten Respekt.

Vor 25 Jahren, 1989, der große und mutige Schritt des gewachsenen Unternehmens von dem eng gewordenen Gründungsstandort inmitten der Stadt auf ein neues Betriebsgrundstück an der Gersteinstraße. Dort, auf zunächst anderthalb Hektar konnte sich Geringhoff neu und modern aufstellen, den Anforderungen an die zunehmende Dimension der Produktion und der Produkte deutlich besser gerecht werden. Zehn Jahre später verlagerte sich das Unternehmen vollständig ins Industriegebiet Ost.

Dies ist gerade 15 Jahre her. In diesen anderthalb Jahrzehnten musste die Betriebsfläche auf über sechs Hektar vervierfacht werden. Geringhoff: ein äußerst expansives und innovatives Unternehmen, das sich stets neu aufstellt und vor allem auch erweitert.

Die rasante Ausdehnung, das kann man sich unschwer vorstellen, war eine gewaltige Herausforderung in praktischer wie rechtlicher Hinsicht. Ich nenne nur die Anforderungen des Umweltschutzes und Änderungen des Bebauungsplanes und muss an dieser Stelle ausdrücklich loben, wie konstruktiv die Geschäftsführung in jeder Hinsicht mit den zuständigen Behörden kooperiert.

So war es auch bei dem Erwerb des zweiten Ahlener Betriebsstandortes an der Guissener Straße. Einen Hektar plus moderner Produktionshalle – Werk II eben – konnte Geringhoff dort aus einem Insolvenzverfahren übernehmen, und wir diskutieren bereits zukünftige Erweiterungsoptionen.

Mit über 400 Beschäftigten, darunter 22 Auszubildenden ist unser Wirtschaftspreisträger natürlich auch ein bedeutender Arbeitgeber am Standort Ahlen. Ein Familienunternehmen, das bei aller Innovationskraft, Exportorientierung und Dynamik seiner Entwicklung die Bodenhaftung und Standorttreue pflegt. Getreu dem Motto: „Weltweit unterwegs, aber daheim in Ahlen“.

Ich gratuliere den Geschwistern Hansmeier, der Geschäftsleitung und der ganzen Geringhoff-Familie zum Wirtschaftspreis 2014 und wünsche auch für die Zukunft Glück und Erfolg!“