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Späte Ehre für Katharina Busch

Ein Stück Wiedergutmachung betrieb die Stadt Ahlen 1980, als eine Straße im damals neuen Baugebiet „Kipps Hof“ den Namen Katharina-Busch-Weg bekam. Um den Anwohnerinnen und Anwohnern im Ahlener Westen Katharina Busch näher zu bringen, trägt ein Zusatzschild jetzt die Lebensdaten der Dichterin, die verkannt und öffentlich gedemütigt mit 40 Jahren eines frühen Todes starb.

Die Enge der bürgerlichen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte es Katharina Busch zeitlebens schwer. Die 1791 in Ahlen geborene Literatin, von der ihre Freundin Annette von Droste Hülshoff behauptete, sie sei die „erste Dichterin Westfalens“ gewesen, muss die Bedingungen ihrer Zeit als schwere Bürde empfunden haben, meint Christoph Wessels. Der Kultur-Fachbereichsleiter der Stadt Ahlen glaubt, „dass ihr vieles leichter gefallen wäre, hätte sie zweihundert Jahre später das Licht der Welt erblickt. So musste die Tochter des Richters Dr. Peter Busch resigniert erdulden, wie sich andere ihrer Gedichte bedienten und Katharinas Ruf beschädigten. „Sie wurde in den feinen Kreisen mit Spott überzogen und in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht“, bedauert Wessels das Benehmen, welches man heute als „Mobbing“ bezeichnen würde.

Während der Recherche zum Legendenschild bekam der ehrenamtliche Ortschronist Jürgen Rheker einen Wink von Christa Paschert-Engelke, die sich in Vorhelm um die heimatgeschichtliche Forschung verdient macht. „Sie stieß mich auf einen vom 26. Januar datierten Brief, in dem Katharina Busch von ihrem heutigen Geburtstag schreibt“, erzählte Rheker bei der Enthüllung der Erläuterungstafel. In vielen früheren Publikationen war immer wieder fälschlich der 6. Januar als Geburtstag genannt worden. Noch jung starb die durch Heirat zur Katharina Schücking gewordene Schriftstellerin am 2. November 1831 in Sögel.

Die Bürgerstiftung Ahlen, der Heimatförderkreis und der SGV Heimatverein unterstützen das Projekt der Stadt Ahlen, möglichst vielen Namenspatronen eine zusätzliche Legende am Straßenschild zu widmen. „Mit dieser Idee, die sich schon an fünf Stellen im Stadtgebiet manifestiert, können wir uns sehr gut identifizieren“, sagte Stiftungsvorsitzender Franz Tripp. Im März wird eine weitere Straße im Westenstadtteil mit einer Infotafel versehen.

Eintrag zu Katharina Busch auf www.wortorte.de:

In Münster verbringt sie wohl die glücklichste und unbeschwerteste Zeit ihres Lebens, die 1791 in Ahlen geborene Dichterin Katharina Sibylla Busch verheiratete Schücking. Ein entfernter Verwandter, der 60jährige Dichter Sprickmann, holt das junge Mädchen 1807 aus dem kleinen Dülmen für kurze Zeit nach Münster, macht sie bekannt mit dem Kreis um die Fürstin von Gallitzin und ermutigt sie zum Dichten. Als jedoch drei Gedichte ohne ihr Einverständnis unter ihrem vollen Namen in der Sammlung Mimigardia (Münster) erscheinen, ist der Skandal in der Stadt perfekt: Karikaturen werden in den Weingesellschaften herumgereicht, die eine ohnmächtig am Fuße des Parnass (Sitz der Musen) liegende Katharina zeigen, während oben die deutschen Dichterfürsten thronen. So ergeht es eben „dilettierenden Frauenzimmern“, die über den Hausgebrauch hinaus dichten wollen. Sprickmann aber bleibt zeitlebens Kathinkas allerdings recht konservativer Mentor.

Während Katharina 1813 zu Gast auf Burg Hülshoff weilt, erkennt die 16jährige Annette sie als verwandte Seele und feiert sie rückwärts blickend noch 1844 in einem Erinnerungsgedicht als „Westphalens Dichterin“. Katharinas Werk, vor allem Gedichte und einige Prosaentwürfe, bleibt schmal. Mit dem Juristen Paulus Modestus Schücking zieht sie 1813 ins Emsland. Dort verstummt sie literarisch fast ganz, die meisten noch erhaltenen Texte sind Anlassgedichte – eben für den „Hausgebrauch“. Ihre Ehe ist von Anfang an unglücklich, zwei ihrer fünf Kinder verliert sie kurz nach der Geburt, kurz darauf stirbt sie selbst erst 40jährig, ohne sich jemals von den „Fesseln des bürgerlichen Lebens“ befreien zu können. Ihr ältester Sohn, der Schriftsteller Levin Schücking, jedoch knüpft an ihre Freundschaft mit der Droste und das Talent seiner Mutter erfolgreicher an.

Foto: Das Legendenschild enthüllten...

Das Legendenschild enthüllten...


Foto: ...(v.l.) Christoph Wessels, Franz Tripp, Dieter Massin (Autor „Ahlen wegweisend“), Christa Bücker (SGV Heimatverein Ahlen), Jürgen Rheker und Udo Wagener (Heimatförderkreis für Westfälische Tradition).

...(v.l.) Christoph Wessels, Franz Tripp, Dieter Massin (Autor „Ahlen wegweisend“), Christa Bücker (SGV Heimatverein Ahlen), Jürgen Rheker und Udo Wagener (Heimatförderkreis für Westfälische Tradition).