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Fahrzeuge und Stromgeneratoren auf dem Weg nach Khotyn

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Das Wiedersehen zwischen Matthias Harman und seinem Amtskollegen aus Khotyn ist herzlich und tief bewegend. „Ich sehe, wie erschöpft Du bist“, sagt Harman zur Begrüßung und blickt Andrii Dranchuk an, dem der Krieg ins Gesicht geschrieben steht. Die Berichte aus der mit Ahlen befreundeten ukrainischen Stadt berührten ihn sehr, erklärt der Bürgermeister. Der russische Angriffskrieg, seine Folgen für die wehrlose Zivilbevölkerung all das hinterlasse unübersehbare Spuren. Doch Andrii Dranchuk will nicht als erschöpfter Mann wahrgenommen werden. „Ich bin nicht müde“, entgegnet er mit fester Stimme und entschlossenem Blick. Resignation ist für ihn keine Option. Kein Weg sei ihm zu weit, wenn er damit das Leid seiner Bürgerinnen und Bürger auch nur ein wenig lindern könne.

Dieser Weg führte ihn nun nach Ahlen, begleitet von seiner für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Mitarbeiterin sowie zwei Fahrern des kommunalen Bauhofs Khotyns. Anlass des Besuchs: die Übergabe zweier weiterer Fahrzeuge aus dem Bestand der Stadt Ahlen. Auf dem städtischen Baubetriebshof am Ostberg übernimmt Dranchuk einen ausgemusterten Kleinbus der Feuerwehr sowie einen Sprinter mit Ladefläche aus dem Fuhrpark der Ahlener Umweltbetriebe. Voll beladen machen sich beide Fahrzeuge anschließend auf die lange Reise in die vom Krieg gezeichnete Ukraine. Mit an Bord sind 17 Stromgeneratoren, 34 Feuerwehrschläuche, medizinische Produkte wie Schutzkleidung und Erste-Hilfe-Ausstattung sowie Decken, Kissen und Schlafsäcke. Ein Großteil dieser Hilfsgüter stammt aus einer Sammelaktion der „Ukraine Hilfe Ahlen“, die am vergangenen Wochenende stattfand.

„Wir waren überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft der Ahlenerinnen und Ahlener“, sagt Vereinsbeisitzer Hermann Huerkamp. „Dieses Ausmaß hat uns selbst überrascht.“ Auch die Stadtwerke Ahlen beteiligten sich an der Zusammenstellung technischer Spendengüter. Auf städtischer Seite waren maßgeblich Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels und seine Mitarbeiterin Kristina Wotschel mit den Vorbereitungen befasst, die auch die anspruchsvolle zolltechnische Abwicklung einschließen.    

Matthias Harman richtet seinen Dank an alle Beteiligten und Andrii Dranchuk findet kaum Worte: „Ich bin sprachlos, was in zwei, drei Tagen hier in Ahlen organisiert worden ist.“ Für ihn zeige sich darin ein „eingespieltes Team“ aus Zivilgesellschaft und Verwaltung. Dass sogar am Wochenende gearbeitet worden sei, um den Menschen in Khotyn das Kriegsleid zu lindern, bestätige in der Ukraine das positive Bild von Deutschland. „Für meine Landsleute und mich ist es wichtig zu wissen, dass es Menschen wie Euch gibt.“ Die Lage in Khotyn habe sich zuletzt deutlich verschärft, berichtet Dranchuk. Der vierte Kriegswinter sei für die Bevölkerung der bislang härteste. Russland zerstöre gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine. Täglich gebe es nur noch drei bis vier Stunden Strom, bei nicht selten Temperaturen von bis zu minus 25 Grad. Die Zerstörung zentraler Kraftwerke wirke sich auf alle Landesteile aus.

Die Stadtverwaltung Khotyn plant deshalb den Aufbau dezentraler Heizwerke, um kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser und Schulen versorgen zu können. Dafür seien weitere Spenden dringend nötig. Derzeit stehe vor nahezu jedem Wohngebäude in Khotyn ein Stromgenerator. Dranchuk hat ein Video mitgebracht, das die morgendliche Routine zeigt: das gleichzeitige Starten der Stromaggregate. Am Ende erscheint eine Botschaft, schlicht und eindringlich: „Danke Ahlen!“ Statist in dem Clip ist auch jener Kleinbus, den die Ahlener Feuerwehr im vergangenen Jahr an die Kameraden in Khotyn abgab und der jetzt hilfreiche Dienste in der Stadt im Grenzgebiet von Rumänien und Moldau leistet.

„Wenn wir helfen können, dann helfen wir. Wir stehen hinter Euch“, gibt Matthias Harman der Delegation aus Khotyn mit auf den Weg zurück in die kriegsgeschüttelte Heimat.

Das Video über den Alltag in Khotyn hinterließ Eindruck bei der Begegnung.


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