Landrat Dr. Olaf Gericke machte in seinem Grußwort deutlich, dass der zeitliche Abstand zur NS-Zeit immer größer werde. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen seien kaum noch da, persönliche Erfahrungen verschwänden. Gerade deshalb müsse Erinnerungsarbeit heute aktiv gestaltet werden – insbesondere in Schulen. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und das staatliche Gewaltmonopol seien direkte Lehren aus dem Zusammenbruch Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Errungenschaften seien nicht selbstverständlich, sondern müssten verstanden, wertgeschätzt und verteidigt werden.
Gericke sprach zudem offen über den heutigen Antisemitismus, der aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Richtungen komme und spätestens seit dem 7. Oktober wieder deutlich sichtbar sei. Erinnerung sei daher keine bloße Rückschau, sondern Voraussetzung für Haltung im Hier und Jetzt.
Auch Bürgermeister Matthias Harman betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Internationalen Holocaust-Gedenktages für die Stadt Ahlen. Die Erinnerung an den Holocaust sei kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein bleibender Auftrag. Der Holocaust habe nicht mit Lagern und Gaskammern begonnen, sondern mit Ausgrenzung, mit Worten, mit Hass und mit Gleichgültigkeit. Gerade junge Menschen trügen eine besondere Verantwortung dafür, wie Geschichte weitererzählt werde. „Nie wieder ist kein Satz der Vergangenheit, sondern ein Versprechen für die Zukunft“, sagte Harman.
Das Programm verband Wort, Musik und inhaltliche Beiträge. Musikalische Stücke von Chopin und Schostakowitsch schufen Raum für stille Reflexion. In Beiträgen wie „Auschwitz und wir – Erinnerung und Verantwortung“ sowie weiteren thematischen Programmpunkten setzten sich Schülerinnen und Schüler mit dem Holocaust, der lokalen Geschichte und der Bedeutung von Empathie, Zivilcourage und demokratischer Verantwortung auseinander. Das Engagement der Jugendlichen machte deutlich, dass Erinnerungsarbeit keine Pflichtübung ist, sondern gelebte Auseinandersetzung.
Die Eröffnungsveranstaltung sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung sind ein gemeinsames Projekt des Ahlener Friedensbündnisses, der Overbergschule und des Städtischen Gymnasiums. Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ ist seit dem 27. Januar bis zum 11. Februar 2026 auf dem Schulhof des Städtischen Gymnasiums für die Öffentlichkeit zugänglich.
Ermöglicht wurde das Projekt durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Schulförderprogramms „Demokratie leben lernen“ des Kreises Warendorf. Die Stadt Ahlen dankt allen Beteiligten – insbesondere den Schülerinnen und Schülern – für ihr großes Engagement und ihren Beitrag zu einer lebendigen und verantwortungsvollen Erinnerungskultur.

