Wo einst das nicht mehr zeitgemäße Gemeindezentrum St. Ludgeri stand, ist in den letzten Jahren ein modernes Wohn- und Begegnungsangebot entstanden. Nach dem Abriss wurde neu gedacht: Heute befinden sich auf dem Gelände 17 öffentlich geförderte Wohnungen, die laut Caritas-Geschäftsführer Heinrich Sinder „aus den Händen gerissen“ wurden. Ergänzt wird das Angebot durch zwei Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Bewohnerinnen und Bewohnern mit Unterstützungsbedarf sowie einige frei finanzierte Wohnungen. Die Nachfrage sei durchweg hoch.
Besonders hervorgehoben wurde beim Rundgang die gelungene Verbindung von Wohnen und sozialer Infrastruktur. Die Ludgeri Höfe seien integrativ in das Quartier eingebettet und erfüllten eine wichtige Funktion für den Ahlener Süden. Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit dem Verein „Alter und Soziales“ und in enger Abstimmung mit der Stadt Ahlen. Grundlage ist ein integriertes Handlungskonzept zur Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen, das mit einem sozialraumorientierten Ansatz verbunden ist. Auch architektonisch öffnen sich die Ludgeri Höfe bewusst: „Niemand fragt, wo sie anfangen und wo sie aufhören“, beschreibt Sinder.
Der Start im Jahr 2020 fiel mitten in die Hochphase der Corona-Pandemie. „Das war ein gruseliger Zeitpunkt“, erinnert sich der Geschäftsführer. Dennoch habe sich das Projekt schnell etabliert. Einen wesentlichen Anteil daran haben die passgenauen Angebote, die auf Grundlage einer Befragung im Stadtteil entwickelt wurden, wie Sinders Stellvertreterin Sabine Holzkamp berichtet. Die Menschen im Ahlener Süden seien besonders stark mit ihrem Wohnumfeld verwurzelt, was die Ausrichtung der Angebote geprägt habe.
Heute ist in den Ludgeri Höfen „immer etwas los“. Neben einem täglichen Mittagstisch gibt es unter anderem Nähangebote, Beratungsformate wie die stark nachgefragte Rentenberatung der Knappschaft sowie Unterstützung bei Anträgen durch die „Formularfreunde“. Ziel sei es, Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und „Antworten auf das zu geben, was im Stadtteil passiert“, so Holzkamp. Gefördert wird ein Teil der Arbeit aktuell noch durch Projektmittel der Deutschen Fernsehlotterie.
Eng vernetzt ist das Angebot mit anderen Akteuren im Stadtteil, etwa dem JuK-Haus im Burbecksort oder den Kirchengemeinden. Dabei werde bewusst auf Abstimmung geachtet, um Konkurrenzsituationen zu vermeiden. Eine zentrale Rolle spielt zudem das Ehrenamt: Rund 20 Freiwillige engagieren sich laut Caritas-Fachbereichsleiter Moritz Seipp regelmäßig. Sie tragen wesentlich zur Lebensqualität vor Ort bei und gestalten den Alltag aktiv mit. „Die Stühle werden hier nicht kalt“, sagt Sabine Holzkamp und hofft zugleich auf weitere Unterstützer: „Das ist eine unheimlich große Entlastung.“
Bürgermeister Harman zeigte sich beeindruckt vom Engagement vor Ort. „Solche Aktivitäten sind enorm wichtig“, betonte er und sprach den Beteiligten Lob und Respekt aus. Gerade im Hinblick auf Prävention und den Kampf gegen Einsamkeit im Alter sei diese Arbeit von großer Bedeutung. Ohne ehrenamtliches Engagement wären viele Angebote nicht denkbar. In diesem Zusammenhang verwies Harman auch auf den „Ehrentag“ am Samstag, 23. Mai, auf dem Marienplatz, der das Ehrenamt in Ahlen sichtbar machen soll. Die Bedeutung solcher Initiativen sei zuletzt auch bei der SINN-Konferenz zum Thema „Sorgende Gemeinschaften“ deutlich geworden.
Am Ende des Besuchs herrschte Einigkeit: Die Ludgerihöfe sind ein gelungenes Beispiel dafür, wie Wohnen, soziale Angebote und bürgerschaftliches Engagement sinnvoll verzahnt werden können. Zugleich leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung städtischer Ziele.


