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„Frieden geht doch!“ - Eindrucksvolle Kundgebungen gegen Krieg und Gewalt

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Rund 200 Schülerinnen und Schüler haben am Freitag in Ahlen des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren gedacht und zugleich ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie gesetzt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom „Arbeitskreis 8. Mai“ der weiterführenden Schulen gemeinsam mit der Bundeswehr und der Stadt Ahlen. Das Gedenken begann am Vormittag auf dem Gräberfeld des Ostfriedhofes, auf dem Bürgerinnen und Bürger aus der damaligen Sowjetunion bestattet sind, die während der NS-Zeit zur Zwangsarbeit nach Ahlen verschleppt worden waren. Die Veranstaltung fand in diesem Jahr bereits zum 15. Mal statt.

Nach der Begrüßung durch Lehrer Rainer Legant richtete der Schülersprecher der Fritz-Winter-Gesamtschule, Simon Möllers, den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Er stellte die Frage, wie dem weiterhin verbreiteten Rassismus und gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten mehr als 80 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes begegnet werden könne. Ehrlicherweise sei dies eine schwierige Frage, sagte Möllers. Das Motto der Veranstaltung „Frieden geht doch!“ gebe darauf jedoch zugleich eine Antwort.

Mehrere Schülerinnen und Schüler berichteten anschließend von Eindrücken, die sie bei Besuchen der Ahlener Zwangsarbeitergräber sowie während einer Gedenkstättenfahrt ins frühere Arbeitslager Brauweiler gesammelt hatten. Dort betrieb die Gestapo ab 1938 ein Gefängnis für politisch Andersdenkende. Besonders bewegend sei für viele die Auseinandersetzung mit den sogenannten „Edelweißpiraten“ gewesen. Die Jugendlichen widersetzten sich der Gleichschaltung im NS-Staat und wollten selbstbestimmt leben. Dadurch gerieten sie ins Visier der Nationalsozialisten und setzten sich willkürlicher Verfolgung aus. Viele von ihnen seien damals kaum älter gewesen als die heutigen Schülerinnen und Schüler, die im Gegensatz zur NS-Zeit die Vorzüge des Rechtsstaates genießen dürften.

Harman mahnt zur Wachsamkeit  
Bürgermeister Matthias Harman dankte den Jugendlichen für ihr Engagement und ihren Einsatz gegen das Vergessen. Es mache ihn stolz und dankbar, dass sich so viele junge Menschen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und dem Unrecht jener Zeit auseinandersetzten. In seiner Ansprache griff Harman ein Zitat des Soziologen und Publizisten Eugen Kogon auf, der bereits 1946 mit seinem Buch „Der SS-Staat“ vor den Mechanismen von Terror und Unfreiheit gewarnt hatte. Kogon habe daran erinnert, dass autoritäre Entwicklungen nicht plötzlich entstünden, sondern schleichend in Sprache, Haltungen und politischen Strategien begännen. Terror entwickle sich inmitten heutiger Demokratien, komme zur Macht und gebe sich als Demokratie selbst aus, geradezu als eine Regierungsform von Freiheiten.

Der Bürgermeister warnte dabei insbesondere vor der Verrohung der Sprache und der gezielten Ausgrenzung von Menschen. Worte seien niemals harmlos, betonte Harman. Sie verschöben die Grenzen des Sagbaren und damit auch des Denkbaren. Ebenso kritisch seien politische Kräfte zu sehen, die sich selbst als einzige Stimme des Volkes inszenierten und demokratische Institutionen infrage stellten. Auch die bewusste Umdeutung von Begriffen wie Freiheit oder Meinungsfreiheit könne demokratische Strukturen aushöhlen. Zudem warnte Harman vor einer schleichenden Normalisierung extremistischer Positionen im öffentlichen Diskurs. Entwicklungen dieser Art seien zwar nicht mit der NS-Diktatur gleichzusetzen, folgten aber Mechanismen, vor denen Kogon, der selbst von 1939 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, eindringlich gewarnt habe.

Der 8. Mai erinnere daran, wohin fehlende Wachsamkeit führen könne, sagte Harman. Demokratie, Respekt und Menschenwürde seien deshalb keine Selbstverständlichkeit, sondern müssten jeden Tag neu verteidigt werden.

Gedenken auf dem Marktplatz
Der Weg vom Ostfriedhof zum Marktplatz führte die Schülerinnen und Schüler an den Gedenkstein für Dr.-Paul-Rosenbaum auf dem gleichnamigen Platz und durch den Park der Begegnungen an der Beckumer Straße, wo sie mit Wortbeiträgen und Aktionen für eine friedliche Welt demonstrierten. Am Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt auf dem Marktplatz legten für die Stadt Ahlen Bürgermeister Matthias Harman und Erste Beigeordnete Stephanie Kosbab sowie für die Bundeswehr und den Freundeskreis Ahlener Soldaten, Oberleutnant Nikolas Fitting und Thomas Kras, Kränze nieder. In seiner Ansprache unterstrich Fitting, dass Frieden mehr sei als die Abwesenheit von Krieg. Er empfahl seinen Zuhörern, mit Menschen im Baltikum zu sprechen, die Jahrzehnte unter sowjetischer Besatzung gelitten haben. „Dann werden Sie verstehen, warum diese Nationen nie wieder unter russische Herrschaft wollen.“ Das Leben unter Tyrannei sei kein Frieden, folgerte der Offizier.

Mit zuversichtlich stimmenden Worten schlossen Schülerinnen und Schüler vom Städtischen Gymnasium die Kundgebung, bevor alle Teilnehmer gemeinsam das Friedenzeichen bildeten. Sie erinnerten an die aus ihrer Sicht nicht selbstverständliche Tatsache, dass in Europa 80 Jahre kein Landkrieg mehr geführt worden sei. Aus Feinden seien Freunde geworden, obwohl Deutschland mit Frankreich drei Kriege in Folge geführt habe. In wenigen Wochen kämen französische Austauschschüler zu Besuch nach Ahlen, was beweise: „Frieden geht doch!“


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