Weiter zum Inhalt

Steigende soziale Aufwendungen bringen Haushalt in Schieflage

| Top-Meldungen | Politik | Rathaus

Mit ernsten Worten haben Bürgermeister Matthias Harman und Kämmerer Dirk Schlebes den Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 vorgestellt. Die Botschaft ist klar: Die finanzielle Lage der Kommune ist angespannt, und sie ist Teil eines bundes- und landesweiten Trends. Der Bürgermeister bezeichnet sie ohne Umschweife als „erschreckend besorgniserregend.“ Dem Rat der Stadt Ahlen liegt der Entwurf seit Donnerstagabend vor.

Der Entwurf sei, so Harman, „ungefiltert und ehrlich“. Er weist Gesamterträge in Höhe von 186,99 Millionen Euro bei einem Gesamtaufwand von 215,48 Millionen Euro aus. Unter dem Strich steht damit ein Defizit von rund 28,49 Millionen Euro. Zur Deckung des Finanzbedarfs sind neue Kassenkredite in Höhe von etwa 24,57 Millionen Euro vorgesehen, womit der Gesamtbestand auf rund 68,88 Millionen Euro anwächst. Parallel dazu plant die Stadt Investitionskredite von etwa 60 Millionen Euro neu aufzunehmen; der Gesamtschuldenstand würde damit auf rund 178 Millionen Euro steigen.

Kommunen sind finanziell überfordert
Erstmals seit 2004 bedeutet diese Entwicklung für Ahlen die Rückkehr in die Haushaltssicherung. Bürgermeister Harman machte jedoch deutlich, dass die Ursachen „nicht hausgemacht“ seien. Vielmehr folge die Stadt einer Entwicklung, die sich bundesweit und insbesondere in Nordrhein-Westfalen abzeichne. „Viele Kommunen sind nicht mehr in der Lage, ihre Haushalte aus eigener Kraft auszugleichen. Leider gehört Ahlen inzwischen dazu“, so Harman.

Auch die übergeordneten Zahlen unterstreichen diese Einschätzung. Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes verzeichnen die kommunalen Haushalte seit 2024 wieder steigende Defizite, nachdem sie bis 2023 weitgehend ausgeglichen waren. Für das Jahr 2026 wird ein gesamtkommunales Minus von rund 30 Milliarden Euro erwartet. In Nordrhein-Westfalen wird zudem die sogenannte „freie Spitze“ – also der finanzielle Spielraum der Kommunen – erstmals deutlich negativ ausfallen. Für 2026 wird ein Wert von minus 1,43 Milliarden Euro prognostiziert.

Für Ahlen bedeutet dies konkret: Pflichtaufgaben werden zunehmend zur Belastung, während freiwillige Leistungen nur noch über Kredite finanziert werden können. Als zentrale Kostentreiber benannte Kämmerer Schlebes vor allem die steigenden sozialen Aufwendungen. Insbesondere die Jugendhilfe sowie die Kinderbetreuung im Vorschulalter verursachten deutlich höhere Ausgaben. Hinzu komme die stark gestiegene Kreisumlage, die den städtischen Haushalt zusätzlich belaste. Gegenüber dem letzten Haushalt ist sie um 6,3 Millionen Euro auf jetzt 41,28 Millionen Euro geklettert.

Die Stadtverwaltung will bei den anstehenden Einsparungen mit gutem Beispiel vorangehen. Gegenüber dem angemeldeten Bedarf ist der Stellenplanentwurf um zwölf Stellen reduziert worden, zweieinhalb Stellen sind komplett gestrichen. Harman: „Wir verlangen nichts, was wir nicht auch selbst leisten.“  

Es wird weiter investiert
Auf der Einnahmenseite stagnieren sowohl die Steuereinnahmen als auch die Zuweisungen von Land und Bund. Diese Schere zwinge die Stadt zu Einschnitten. Vorgesehen seien daher unter anderem Einschränkungen beim Personal, eine zurückhaltendere Gebäudeinstandhaltung sowie eine konsequente Ausgabendisziplin in allen Fachbereichen.

Die steigenden Auszahlungen für Personal, Dienstleistungen und Sachkosten schlagen sich unmittelbar in der Liquidität nieder und treiben die Kassenkredite weiter nach oben. Gleichzeitig bleibt die Investitionstätigkeit hoch, nicht zuletzt aufgrund laufender und geplanter Großprojekte wie Bürgercampus, Feuerwache Dolberg oder die Sporthalle am Städtischen Gymnasium. Immerhin: Nach aktueller Planung soll der Höchststand bei den Investitionskrediten im Jahr 2028 erreicht sein, bevor ab 2029 wieder ein Rückgang einsetzt.

Für ihre Konsolidierungspolitik der letzten Jahre sei die Stadt Ahlen bitter abgestraft worden, beklagt der Bürgermeister. „Hätten wir die Aufgabe aufgeschoben, unsere Kassenkredite um 40 Millionen Euro auf null zu fahren, würde nun auch Ahlen vom Altschuldenprogramm des Landes profitieren.“  

Lebensqualität bleibt in Ahlen erhalten
Matthias Harman warnt davor, dass sich extremistische Kräfte die Lage zu eigen machen und den Glauben an die Demokratie beschädigen. Jede Kürzung sende ein Signal. „Unsere Aufgabe ist es, trotz aller finanziellen Zwänge dafür zu sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger spüren: Die Stadt Ahlen lässt Euch nicht allein.“ Der Wirtschaftsstandort werde weiter gestärkt, die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut. 2026 fließen über 25 Millionen Euro in Projekte wie den erneuerten Dr.-Paul-Rosenbaum-Platz, die Osttangente, den Ausbau der Hohlen Eiche oder den Neubau von Brücken wie an der Robert-Koch-Straße. Der Rechtsanspruch auf den Offenen Ganztag werde erfüllt, ebenso die Schulsozialarbeit fortgeführt.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt bleibe weiter im Fokus. „Im Bereich Kultur und Freizeit stellen wir über eine Million Euro für ehrenamtliches Engagement zur Verfügung“, stellt der Bürgermeister in Aussicht. Über den Fördertopf „Bürgerschaftliches Engagement“ fließen 60.000 Euro nach Ahlen, Vorhelm und Dolberg. „Zusätzlich planen wir 33 kulturelle Veranstaltungen wie das Stadtfest und fördern gezielt Projekte, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Kultur erleichtern.“

Am 14. April werden Bürgermeister und Kämmerer im Rahmen einer öffentlichen Ratsinformationsveranstaltung im Ratssaal über die städtischen Finanzen informieren.

Haushaltsrede von Bürgermeister Matthias Harman

Präsentation zur Einbringung des Haushaltsplanentwurfes von Stadtkämmerer Dirk Schlebes 

 

Der Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 steht Ihnen hier als interaktive, aber auch als PDF-Version zur Verfügung.

 


Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Stadtportal Ahlen | Impressum