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Ahlener Klimaradtour zeigt, wie Klimaschutz vor Ort gelingt

| Umwelt | Wohnen

Bei strahlendem Sonnenschein machten sich kürzlich die Teilnehmer der dritten Ahlener Klimaradtour auf den Weg, um beispielhafte Projekte rund um Klimaschutz, Energie und ökologische Vielfalt kennenzulernen.

Die Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität der Stadt Ahlen und die Volkshochschule Ahlen hatten dafür eine Tour mit fünf Stationen zusammengestellt: von der Radstation am Bahnhof über die Kläranlage und eine private Imkerei bis zu den Photovoltaik-Freiflächenanlagen der Firma Kaldewei und zur Osthalde an der ehemaligen Zeche Westfalen. Zum Auftakt wurde den Teilnehmern die Radstation am Bahnhof vorgestellt. Sie wird von der Das Dies Service GmbH betrieben und gilt als gelungenes Beispiel für die Förderung des Radverkehrs. Zudem verwiesen die Organisatoren auf die Internetseite www.entdecke-ahlen.de. Dort finden sich unter anderem Informationen zu kühlen Aufenthaltsorten und Nachfüllstationen für Trinkwasserflaschen.

Kläranlage soll leistungsfähiger und energieeffizienter werden

Anschließend führte Tourguide Frank Buntrock von der Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität die Gruppe über die Innenstadt und durch den Stadtpark zur Kläranlage. AUB-Gruppenleiter Thomas Kröger begrüßte die Radler und stellte den Fachbereich Kläranlage und Kanalbetrieb der Ahlener Umweltbetriebe (AUB) sowie dessen vielfältige Aufgaben vor. Im Mittelpunkt standen die geplante Modernisierung der Anlage und die künftigen Anforderungen an die Abwasserreinigung. Die Kläranlage stammt aus den 1970er-Jahren und reinigt jährlich rund 4,5 Millionen Kubikmeter Abwasser aus dem Stadtgebiet sowie aus Vorhelm und Tönnishäuschen. Mit einem jährlichen Strombezug von etwa 2,3 Millionen Kilowattstunden zählt sie zu den energieintensiven kommunalen Anlagen.

Bereits heute wird ein Teil des Energiebedarfs vor Ort gedeckt: Ein Blockheizkraftwerk wandelt das anfallende Klärgas in Strom um, der vollständig innerhalb der Anlage genutzt wird. Die dabei entstehende Wärme kommt außerdem bei der Schlammentwässerung zum Einsatz. Seit 2024 trägt auch eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 99,8 Kilowattpeak zur Energieversorgung bei. Die anstehende Modernisierung soll die Reinigungsleistung verbessern und den Energieverbrauch senken. Wegen verschärfter gesetzlicher Anforderungen muss veraltete Technik durch moderne, energieeffiziente Systeme ersetzt werden. Geplant ist zudem eine vierte Reinigungsstufe. Sie soll künftig unter anderem Medikamentenrückstände und Mikroplastik aus dem Abwasser entfernen und damit die Gewässerqualität weiter verbessern.

Einblicke in die Welt der Bienen

Nur wenige Fahrradminuten weiter, in der Kleingartenanlage Suerwiese, wartete die nächste Station. Dort erläuterte Imker Jörg Eberschneider die Bedeutung der Bienen für die Landwirtschaft und die ökologische Vielfalt. Die Teilnehmer konnten verschiedene Honigsorten probieren und auch kaufen. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde Eberschneider zuletzt mit seinem „Honigfahrrad“: Damit beliefert er seine Kunden in der Region mit Honig und weiteren Imkereiprodukten – eine Idee, die Regionalität und umweltfreundliche Mobilität miteinander verbindet.

Mehr als 19.000 Solarmodule für grünen Strom

Nach einer kurzen Fahrt durch die Ahlener Nordstadt erreichte die Gruppe die beiden Photovoltaik-Freiflächenanlagen der Firma Kaldewei, die durch die Bergstraße voneinander getrennt sind. Michael Rathaj, Umwelt- und Energiebeauftragter des Unternehmens, stellte die Maßnahmen vor, mit denen Kaldewei seine Stromversorgung langfristig sicherer und nachhaltiger gestalten will. Im Herbst 2023 wurden auf einer Fläche von 4,5 Hektar mehr als 16.000 Photovoltaikmodule installiert. Zusammen mit den weiteren Modulen sind es inzwischen mehr als 19.000. Rein rechnerisch könnte die erzeugte Strommenge den Bedarf von mehr als 1.700 Haushalten decken. Als nächste Schritte sind Batteriespeicher vorgesehen. Sie sollen dazu beitragen, das Stromnetz zu entlasten und mehr selbst erzeugten erneuerbaren Strom direkt im Unternehmen zu nutzen. Auch bei der Pflege der Flächen spielt Nachhaltigkeit eine Rolle: Das Grün wird überwiegend von Schafen kurz gehalten.

Osthalde zwischen Naturschutz und Klimawandel

Über den Zechenradweg ging es weiter zur Zeche Westfalen. Auf dem Basketballfeld vor der Lohnhalle stärkten sich die Teilnehmer bei einem kleinen Picknick. Die VHS und die Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität hatten dafür nachhaltige Bio-Produkte aus fairem Handel und Erfrischungsgetränke vorbereitet. Dort stieß auch der Teamleiter Wald und Urbanes der HeimatERBE GmbH aus Essen zur Gruppe. Er erläuterte die Aufgaben des Unternehmens und die Entwicklung der Osthalde. Das rund 74 Hektar große Areal wurde ökologisch aufgewertet und bietet inzwischen sowohl Raum für die Naherholung als auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Die Entwicklung der Halde bleibt allerdings eine Herausforderung. Das Gelände besteht aus Bergematerial aus dem Kohleabbau und unterliegt teilweise weiterhin der Bergaufsicht. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels, die sich insbesondere an den südlichen und westlichen Hängen bemerkbar machen. Auch die Auswahl geeigneter Baumarten spielt dabei eine wichtige Rolle. Viele Bäume, die vor mehr als 20 Jahren gepflanzt wurden, haben sich für die Standortbedingungen als ungeeignet erwiesen und müssen nach und nach ersetzt werden. Weil inzwischen auch Niederwild auf der Halde heimisch geworden ist, sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um junge Bäume vor Verbiss zu schützen.

Positive Bilanz nach fünf Stunden

Am Ende standen rund 30 Kilometer auf dem Tacho. Die etwa fünfstündige Tour verband entspannte Bewegung an der frischen Luft mit fachkundigen Einblicken in kommunale Infrastruktur, erneuerbare Energien, Imkerei und Naturschutz. Auch die kulinarischen Zwischenstopps kamen bei den Teilnehmern gut an. Das Fazit fiel entsprechend positiv aus: „Jede Minute hat sich gelohnt“, hieß es aus der Runde. Der Wunsch nach einer Neuauflage der Ahlener Klimaradtour war damit verbunden.


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