Für Bürgermeister Matthias Harman ist das Anlass genug, sich vor Ort ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zu machen. „Ich bin überwältigt, wie reibungslos dieses Riesenprojekt läuft“, sagt er angesichts der Dimensionen der größten Baustelle im Kreis Warendorf. Die drei großen Nachklärbecken beeindrucken ihn dabei besonders. „Die könnte ich mir auch als gigantische Schwimmpools vorstellen.“ Dass sich auf der Kläranlage die Kräne drehen, freut den Bürgermeister. Gerne würde er sich das auch für den privatwirtschaftlichen Baubereich noch mehr wünschen.
Hadrika hält es für gesetzt, dass die Stadt Ahlen mit der Modernisierung ihrer Kläranlage zu einem günstigen Zeitpunkt begonnen hat. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, ihre Abwasseranlagen entsprechend dem Stand von Gesetzgebung sowie Technik zu betreiben und anzupassen. „Das gilt für andere Kommunen allerdings auch, die sind aber größtenteils noch gar nicht so weit mit ihren Planungen“, sagt der AUB-Leiter.
Ahlen sei damit vergleichsweise früh dran, was inzwischen auszahle. „Wir haben für unsere Firmen einen guten Preis bekommen.“ Bei den ersten Ausschreibungen sei die Nachfrage nach den erforderlichen Bauleistungen noch nicht so hoch gewesen. Die Stadt habe deshalb von günstigen Marktbedingungen profitieren können. Hadrika weiß, dass andere Kommunen in den kommenden Jahren nachziehen müssen und sich der Wettbewerb um Bauleistungen entsprechend verändert.
Wie anspruchsvoll die Arbeiten sind, zeigt sich derzeit besonders an den Nachklärbecken. Eines der drei Becken ist bereits randvoll mit Wasser gefüllt. Die sogenannte Dichtheitsprüfung soll zeigen, ob die Konstruktion zuverlässig hält. „Die Becken müssen schon ein Weilchen halten“, sagt AUB-Projektleiter Gerrit Hegemann. Die Zielmarke liegt bei 30 bis 40 Jahren.
Entsprechend groß ist der Aufwand, der bei der Ausführung betrieben wird. Jede Betonladung, die auf der Baustelle eintrifft, wird zunächst darauf überprüft, ob sie die geforderten hohen Standards erfüllt. Ein externer Baustoffexperte hat bei der Entwicklung der richtigen Betonmischung unterstützt und steht auch während der Bauphase für Fragen zur Verfügung.
Für die schräg ausgeführten Beckensohlen ist eine besondere Konsistenz des Betons erforderlich. „Wie ein Kuchenteig, der fließt nicht weg“, beschreibt Projektleiter Frank Feldmann die gewünschte Mischung. Der Untergrund der Nachklärbecken weist eine Neigung von rund elf Grad auf. Das mache die Betonage „nicht alltäglich“. Um möglichst wenig dem Zufall zu überlassen, wurde deshalb sogar eine Probebetonage durchgeführt. Erst nachdem die Materialeigenschaften passten, ging es an die eigentliche Ausführung.
„Kleine Problemchen“ gebe es auf einer Baustelle immer wieder, räumt Hadrika ein. Das sei bei einem Großprojekt nicht anders als beim Bau eines Einfamilienhauses. Entscheidend sei, wie damit umgegangen werde. Die Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Eiffage bezeichnet Hadrika als gut. „Da lässt sich alles unter Fachleuten besprechen, und in der Regel findet man auch schnell gute Lösungen.“ Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Alle auf der Baustelle machen einen verdammt guten Job.“
Von den Erfahrungen profitieren dabei nicht nur die Ahlener. Die beteiligten Bauleute sammeln bei dem technisch anspruchsvollen Projekt Erfahrungen, die auch bei vergleichbaren Kläranlagen-Baustellen genutzt werden können. In vier Jahren soll die umfassende Modernisierung abgeschlossen sein. Dann will die Ahlener Kläranlage technisch für die kommenden Jahrzehnte gerüstet sein.
Auch die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz werden sich ein eigenes Bild vom Baufortschritt machen. Sie tagen am Donnerstag, 24. September, um 17 Uhr auf dem Gelände der Kläranlage.





