Weiter zum Inhalt

Ein Mural gegen die Angst

| Top-Meldungen | Kultur | Soziales

Ein bislang wenig beachteter Ort im innerstädtischen Raum bekommt ein neues Gesicht. Im Rahmen der „Stadtbesetzung“, einer Aktion des Kunstvereins Ahlen, gestaltet die Künstlerin MIAMI PUNK MACHINE (Jasmin Lebaci) an der Oststraße ein rund fünf mal sieben Meter großes Mural. Das großformatige Wandbild soll nicht nur Farbe in den Stadtraum bringen, sondern sich mit einem Thema auseinandersetzen, das insbesondere Frauen betrifft: Gewalt und Unsicherheit im öffentlichen Raum.

Eigentlich sollte das Mural längst fertiggestellt sein. „Ich hätte mir schon ein paar mehr Sonnentage gewünscht“, sagt die Künstlerin. Das wechselhafte und vor allem regnerische Wetter der vergangenen Wochen machte den Arbeiten allerdings einen Strich durch die Rechnung. Nun soll das Wandbild voraussichtlich Mitte bis Ende Oktober fertig sein. Lebaci setzt einen eigenen Entwurf um, der auf die besonderen räumlichen Gegebenheiten zugeschnitten ist. Die Gestaltung nimmt Rücksicht auf die Proportionen des Ortes und ist zur Fußgängerzone hin ausgerichtet. Damit soll das Bild möglichst vielen Passanten ins Auge fallen. Inhaltlich lehnt sich das Motiv an die mythologische Figur der Medusa an, deren Geschichte eng mit dem Thema Gewalt verbunden ist. Orange- und Rottöne dominieren die Gestaltung, ergänzt durch kräftige Lilatöne, die auch für Feminismus stehen. Das Mural soll den bislang eher unbeachteten Ort bewusst verändern: Aus einem Angstraum soll ein heller, sichtbarer und möglichst sicherer urbaner Raum werden.

Der inhaltliche Bezugspunkt des Projekts ist der „Orange Day – Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November. Denn Unsicherheit im öffentlichen Raum gehört für viele Frauen zum Alltag. Dunkle Wege werden gemieden, Umwege in Kauf genommen oder bestimmte Strecken in den Abend- und Nachtstunden gar nicht erst genutzt. Das Projekt möchte auf diese alltäglichen Einschränkungen aufmerksam machen und sie zugleich hinterfragen. Zum künstlerischen Gesamtkonzept gehören deshalb auch Informationstafeln. Sie sollen niedrigschwellig über Notrufnummern, lokale Anlaufstellen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner informieren. Die Botschaft: Hilfe ist erreichbar, Aufmerksamkeit ist da und Wegsehen ist keine Option.

Unterstützt wird das Projekt von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ahlen, Elisa Spreemann. Auch Kulturdezernentin Stephanie Kosbab begrüßt die Aktion. „Es ist gut, dass Kunst hier auf niedrigschwellige Weise sichtbar gemacht wird“, sagt sie. Zugleich werde auf das Problem der Gewalt gegen Frauen hingewiesen und dafür sensibilisiert. Das Bild solle vor allem ein Mutmacher sein.

Für die praktische Umsetzung leisten auch die Stadtwerke Ahlen Unterstützung. Sie ermöglichen, dass ein Gerüst von einer Ahlener Firma aufgebaut werden konnte. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass Lebaci ihre großflächige Gestaltung trotz der wetterbedingten Verzögerung fertigstellen kann. Die Künstlerin selbst bedankt sich bei der Stadt für die Unterstützung. „Das ist etwas Besonderes. Das erlebe ich nicht so in jeder Stadt“, sagt Lebaci. Mit ihrem Mural möchte sie einen Ort schaffen, der auffällt, zum Hinsehen einlädt und zugleich eine klare Botschaft vermittelt. Öffentlicher Raum soll für alle da sein, auch und gerade in den Abend- und Nachtstunden.
 


Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Stadtportal Ahlen | Impressum