Mit dem Dr.-Paul-Rosenbaum-Platz zeigt die Stadt Ahlen, wie eine solche Entsiegelung in der Praxis aussehen kann. Insgesamt wurden rund 8.500 Quadratmeter Fläche entsiegelt. Das entspricht etwa 206.000 „abgepflasterten“ Steinen, die für den Wettbewerb angerechnet werden. Bis aus dem ehemals überwiegend versiegelten Fest- und Veranstaltungsplatz ein klimaangepasster Quartiersplatz werden konnte, war jedoch einiges an Arbeit erforderlich. Die vorhandenen Asphalt- und Schotterflächen wurden vollständig zurückgebaut. Dafür bewegte die ausführende Firma Boymann Garten- und Landschaftsbau rund 10.000 Kubikmeter Material. Der Untergrund wurde bis zu 50 Zentimeter tief abgetragen und anschließend neu aufgebaut. Gleichzeitig erhielt der Platz eine vollständig erneuerte Infrastruktur: Strom- und Wasserleitungen wurden unterirdisch verlegt, Anschlüsse für Wochenmarkt und Kirmes modernisiert und der Platz barrierefrei gestaltet.
„Das Notwendige wurde mit dem Guten verbunden“, beschreibt Gartenbautechniker Robert Schmäing von der Stadt Ahlen die Planungsphilosophie. „Neben den funktionalen Anforderungen war es uns wichtig, den Platz gleichzeitig an die Folgen des Klimawandels anzupassen und möglichst viel Fläche dauerhaft zu entsiegeln und zu begrünen.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 112 neue Bäume, rund 2.100 Sträucher, Blühflächen sowie neue Aufenthalts-, Spiel- und Sportangebote prägen heute das Bild des Platzes. Rund 92 Prozent mehr Regenwasser können künftig auf der Fläche versickern. Dadurch werden die Grundwasserneubildung gefördert, das Risiko von Überschwemmungen reduziert und das Mikroklima nachhaltig verbessert. Lediglich der eingesäte Schotterrasen lässt auf sich warten. Die Trockenheit der letzten Wochen hat ihn daran gehindert, auszukeimen. „Er hält sich noch zurück, wird aber grünen, sobald es wieder kühler und feuchter wird“, weiß Ahlens Grünflächenleiterin Susanne Nürnberger.
Auch der freiberufliche Landschaftsarchitekt Ilpo Thermann, der die Umgestaltung planerisch begleitet hat, sieht darin einen wichtigen Schritt für die Zukunft: „Der Zugewinn an Begrünung ist für das Stadtklima entscheidend. Der Platz übernimmt künftig eine ganz andere Klimafunktion und bietet den Menschen eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität.“ Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich bereits wenige Monate nach der Eröffnung. Die neuen Sitzbereiche und Wasserspiele werden von den Bürgerinnen und Bürgern sehr gut angenommen und beleben den Platz im Alltag. Auch die Kombination aus Erholung, Spiel, Sport und Veranstaltungen trägt dazu bei, dass der Platz zu einem lebendigen Treffpunkt im Ahlener Norden geworden ist.
Der Wettbewerb „Abpflastern“ richtet sich jedoch nicht nur an Kommunen. Auch Privatpersonen, Unternehmen, Vereine, Schulen und andere Einrichtungen können versiegelte Flächen entsiegeln und online für den Wettbewerb anmelden. Jeder zusätzliche Quadratmeter wird der jeweiligen Kommune gutgeschrieben und verbessert deren Platzierung. „Jede entsiegelte Fläche ist ein Gewinn für das Klima und für unsere Stadt“, sagt Klaudia Froede, Leiterin der städtischen Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität. „Natürlich sollte man Eigentümer oder Eigentümerin der zu entsiegelnden Fläche sein oder sich vorher eine Erlaubnis zum Entsiegeln holen.“
Wer selbst mitmachen möchte, kann seine entsiegelte Fläche noch bis Ende Oktober auf der Internetseite des Wettbewerbs registrieren. Weitere Informationen zum Wettbewerb gibt es unter www.abpflastern.de.
