Rund 4100 Anliegen bearbeitete die Beratungsstelle 2025, darunter etwa 1500 Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen.
Den größten Anteil der Beratungen machten mit rund 40 Prozent Fragen rund um das Thema Energie aus. Es folgten Alltagsverträge und Reklamationen (36 Prozent), Probleme im digitalen Bereich (acht Prozent), mietrechtliche Fragen (acht Prozent) sowie Kredit- und Finanzangelegenheiten (drei Prozent). „Wir machen Dinge, die Rechtsanwälte oft gar nicht übernehmen wollen“, sagt Beratungsstellenleiterin Judith Spittler. „Viele Menschen kommen lieber zuerst zu uns, als direkt einen Termin bei einem Anwalt zu vereinbaren.“
Dabei würden die Fälle zunehmend komplexer. Vor allem der Onlinehandel stelle Verbraucher immer häufiger vor Probleme. Gelieferte Ware entspreche nicht der Bestellung, sei mangelhaft oder passe nicht, hinzu kämen undurchsichtige Rücksendebedingungen und hohe Porto- oder Zollkosten bei Retouren nach China. Ein besonders kurioser Fall blieb auch den Beratern in Erinnerung: Statt eines bestellten Smartphones wurde ein Handrührgerät geliefert.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, das Öffnen von Paketen möglichst zu filmen, idealerweise mit einer zweiten Person als Zeugen. Gegen betrügerische Internetshops helfe zudem der kostenlose „Fakeshop-Finder“ der Verbraucherzentrale. Immer häufiger geraten Verbraucher außerdem an sogenannte Dokumenten-Dienstleister. Wer etwa eine Schufa-Auskunft beantragen, Daten beim Rundfunkbeitragsservice ändern oder einen Nachsendeauftrag der Post einrichten möchte, landet über Suchmaschinen nicht selten auf kostenpflichtigen Vermittlungsseiten. Diese erwecken den Eindruck, die offiziellen Angebote zu sein, verlangen jedoch intransparente Zusatzgebühren. „Wir unterstützen betroffene Verbraucher mit Informationen und Rechtsberatung“, betont Spittler.
Ein weiteres Dauerthema bleibt die private Parkraumüberwachung. Vertragsstrafen auf Supermarkt- oder Kundenparkplätzen fallen häufig deutlich höher aus als Bußgelder im öffentlichen Verkehrsraum. Hinzu kommt, dass Forderungen teilweise erst viele Monate nach dem eigentlichen Parkvorgang verschickt werden. Auch hier unterstützt die Verbraucherzentrale, wenn Ansprüche unberechtigt erscheinen.
Ein arbeitsreiches Jahr liegt auch hinter Energieberater Hubertus Pieper. Neben zahlreichen Einzelberatungen bietet die Verbraucherzentrale gemeinsam mit der Volkshochschule regelmäßig Informationsveranstaltungen an. Besonders gefragt sind Beratungen zu hohen Energiekosten, bei denen Rechnungen auf ihre Plausibilität geprüft werden. Auch Hausbesuche gehören zum Angebot. Im Rahmen der Thermografie-Aktion mit den Stadtwerken Ahlen spürt Pieper Kältebrücken und Schwachstellen in der Gebäudedämmung auf. Deutlich gestiegen sei zudem das Interesse an Wärmepumpen.
Erleichtert zeigen sich Judith Spittler und Hubertus Pieper über die Entscheidung des Rates der Stadt Ahlen, die Finanzierung der Beratungsstelle einstimmig bis Ende 2029 zu verlängern. „Es waren schwierige Verhandlungen, auch mit dem Kreis Warendorf“, berichtet Spittler. Umso größer sei die Freude über die breite Unterstützung aus Politik und Bürgerschaft. Viele Menschen hätten sich ausdrücklich für den Erhalt der Beratungsstelle eingesetzt. Auch Bürgermeister Matthias Harman unterstreicht die Bedeutung einer unabhängigen Anlaufstelle für Verbraucher. „Es ist wichtig, verlässliche Informationen zu erhalten.“ Die Verbraucherzentrale leiste für die Menschen in Ahlen gute Arbeit.
Veränderungen stehen der Beratungsstelle räumlich bevor. Mit dem Umzug der Stadtverwaltung ins Stadthaus im November verlässt auch die Verbraucherzentrale ihre bisherigen Räume im ersten Obergeschoss des Rathauses. Künftig befindet sich die Beratungsstelle am Kirchplatz 3 in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz, direkt neben der Volkshochschule. Vor dem Einzug werden die Räume noch renoviert. „Darauf freuen wir uns sehr“, sagt Spittler. „Wir bekommen schöne Räume mitten in der Stadt.“
Der vollständige Jahresbericht der Verbraucherzentrale für Ahlen und den Kreis Warendorf ist im Internet abrufbar unter: https://www.verbraucherzentrale.nrw/ahlen-jahresbericht2025
