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Stadt nimmt Abschied von Horst Jaunich

| Politik | Rathaus

Weitsichtiger und mahnender können Worte nicht ausfallen: „Für die Demokratie kämpfe ich leidenschaftlich, bis an mein Lebensende.". Diesen Satz, den der frühere Bürgermeister Horst Jaunich anlässlich des Empfangs zu seinem 95. Geburtstag im vergangenen Jahr ausgesprochen hat, zitierte Bürgermeister Matthias Harman am Samstagmorgen in der Gedenkfeier für den am 13. August dieses Jahres verstorbenen Ehrenbürger der Stadt Ahlen. Sie war ein Bekenntnis der Stadtgesellschaft und ihrer politischen Repräsentanten zu einem Mann, der die Geschicke der Stadt über vier Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Neben Harman würdigten Gabi Duhme, Maria Kessing und Thomas Schmidt aus ihrer Sicht den Verstorbenen.

Harman bezeichnete Jaunich als Persönlichkeit „mit einer klaren Haltung, mit festen Überzeugungen und mit einem tiefen Verantwortungsgefühl für unsere Stadt und für unsere Demokratie". Der SPD-Politiker, der 1957 erstmals in den Rat gewählt wurde und mit Unterbrechung 33 Jahre lang angehörte, sei ein Mensch gewesen, der nicht die Konfrontation, sondern die Verständigung suchte. Auch wenn er dem politischen Streit - legendär seien manche Dispute mit seinem Vorgänger Herbert Faust - nicht aus dem Weg gegangen sei, habe er sich stets von der Überzeugung leiten lassen, vereint das Ziel für Demokratie und Freiheit zu verfolgen. Besonders hervor hob Harman das Engagements Jaunichs für die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, das seinen Ausdruck in der 1985  ergangenen Einladung ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger und die noch im selben Jahr erfolgte Einweihung des Mahnmal „Fingerzeig der Geschichte" in der Kosterstraße gefunden hat. Harman versicherte, den Wunsch des Verstorbenen umzusetzen, der sich bei seinem 95. Geburtstag eine „Stele für die Demokratie" gewünscht hatte.

Als einen „Glücksfall für die Stadt" bezeichnete Gabi Duhme den Verstorbenen, die ihm vor mehr als 43 Jahren begegnet war. 1983 habe sie als junge Reporterin Horst Jaunich im Bundestagswahlkampf beim Klinkenputzen in der Feldstraße begleitet. Bereits ein Jahr später habe sie als Kandidatin für den Rat in seinem Wahlkampfteam begeistert mitgemacht. In den Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister seien „unglaublich viele Projekte" wie die Fußgängerzone, das Bürgerzentrum Schuhfabrik, der Umbau von Haus Sandgathe zur Musikschule, die Neugestaltung des Alten Hofs, der Umbau der ehemaligen Overbergschule zur Stadtbücherei, die Errichtung der erste Gesamtschule, die Einrichtung des Stadtteilbüro sowie die Geburt des Stadtfestes und der Stadtteilfeste verwirklicht worden. In Anerkennung und Würdigung dieser Verdienste um die Stadt sei Jaunich 2003 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden, sagte Duhme, die heute Alterspräsidentin des Rates ist.

Die Symbolkraft des Todestags am 13. August wählte Maria Kessing  zum Ausgangspunkt ihrer Rede, in der sie darauf hinwies, dass sich der gebürtige Breslauer 1950 nach der Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur 1950 für die Freiheit entschied und der kommunistischen Diktatur in der DDR den Rücken kehrte. Die Erfahrungen mit zwei Diktaturen seien ein Kompass in seinem weiteren Leben gewesen. Die ehemalige Redaktionsleiterin des Ahlener Tageblatts erinnerte an mehrere berufliche Begegnungen mit Horst Jaunich zum Beispiel bei Fahrten zur Sanitärmesse ISH nach Frankfurt, die mit einem Absacker einer Äppelwoi-Gaststätte endete, oder an Hintergrundgespräche im Rathaus, bei denen er stets eine Flasche Whisky aus dem Schrank geholt habe. Auch privat sei man sich im Freibad oder auf dem Friedhof mehrfach begegnet. „Mit seinem ausgeprägten sozialpolitischen Augenmaß hat sich der Gewerkschafter um Menschen am Rand der Gesellschaft gekümmert", sagte Kessing weiter. Er habe aus Überzeugung das Gespräch und die Verständigung über parteipolitische Grenzen gestellt. Abschließend wandte sich Kessing mit einem Appell an die Verantwortlichen, indem sie den bekannten Vers des Propheten Jeremias „Suchet der Stadt Bestes" zitierte, der auch in einem der Glasfenster im Ratssaal des alten Rathaus eingelassen ist.

Zum Abschluss ergriff der ehemalige Bürgermeister der Partnerstadt Teltow, Thomas Schmidt, das Wort, der Horst Jaunich als großes Vorbild bezeichnete. Der Verstorbene, der mit Ratschlägen immer sehr zurückhaltend umgegangen sei, habe ihm für seine Tätigkeit auf den Weg gegeben, einen eigenen Weg zu finden. Dass die Städtepartnerschaft mit Teltow seit 35 Jahren besteht, sei auch wesentlich das Verdienst von Horst Jaunich.

Mit dem Steigerlied, das Marius Stiemer und Benjamin Hengesbach auf der Posaune intonierten, klang die Gedenkfeier aus, an der die Witwe des Verstorbenen und nahe Angehörige teilnahmen.

Text: Dierk Hartleb


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