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Von der Flucht aus dem Sudetenland bis zur Verleihung des Verdienstordens

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Einen Bürgermeister im Büro aufs Kreuz legen, mit Hippies über Lebensformen streiten und dabei einen ungewöhnlichen Weg finden, den Streit sportlich auszutragen: Helmut Neumann hat in seinem langen Leben einiges erlebt. Nun hat der 86-jährige Malermeister im Ruhestand seine Erinnerungen zu Papier gebracht. Auf 93 Seiten erzählt er von Menschen und Begegnungen, von prägenden Stationen seines Lebens und von seinem jahrzehntelangen Engagement für die Gesellschaft.

Das Buch ist dabei keine chronologische Lebensbeschreibung im klassischen Sinn. Neumann erinnert sich an Begebenheiten, die ihm wichtig geblieben sind. Mal erzählt er anekdotisch, mal nachdenklich und persönlich. Eines ist den Geschichten gemeinsam: der Respekt vor den Menschen, denen er begegnet ist.

Schon im Vorwort formuliert Neumann eine Sorge, die ihn beim Schreiben begleitet hat. Er hoffe, dass seine Geschichten lesenswert seien, „und dass ich dabei niemandem Unrecht tue, der mir auf meinem langen Lebensweg begegnet ist oder mich begleitet hat.“ Eine der Geschichten führt ins Ahlen der 1970er Jahre. Neumann erzählt von jungen Hippies, mit deren Verhalten er damals wenig anfangen konnte. Es kam zum Streit. Doch statt es dabei zu belassen, wurde die Auseinandersetzung schließlich auf sportlichem Terrain ausgetragen. Die ungewöhnliche Begegnung hatte Folgen: Einige der jungen Leute kamen später regelmäßig zum Training, einer machte sogar seinen Trainerschein.

Auch Horst Jaunich, ehemals Bürgermeister von Ahlen, taucht in den Erinnerungen auf. Neumann bereitete ihn für einen sportlichen Wettkampf in der Partnerstadt Differdingen vor. Mit sichtlicher Freude schildert der Autor, wie er den Bürgermeister bei einer Trainingseinheit in dessen Büro aufs Kreuz legte. Solche Geschichten machen das Buch lebendig. Gleichzeitig geht es um deutlich ernstere Erfahrungen. Besonders bewegt hat Martin Frost, der Neumann beim Entstehen des Buches unterstützte, die Geschichte von dessen Mutter. Sie floh nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren beiden Söhnen unter abenteuerlichen Bedingungen zum Vater in den Westen. Auch diese Familiengeschichte hat ihren Platz in den Lebenserinnerungen gefunden.

Dass ausgerechnet ein Buch daraus entstand, war nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2023 zunächst gar nicht geplant. „Langeweile macht krank“, dachte sich Neumann nach dem Empfang und suchte nach einer neuen Aufgabe. Das Schreiben bot sich an. Hilfe erhielt er dabei von seinen Freunden Martin Frost und Ludger Diekmann. Sie lasen mit, gaben Hinweise und halfen unter anderem dabei, dass die Erinnerungen nicht ausuferten. Frost, der als Pfarrer viele Lebensgeschichten kennt, sagt über den langjährigen Weggefährten: „Es ist eine Freude, mit Helmut Neumann in Kontakt zu sein.“

Neumann selbst blickt auf ein außergewöhnlich vielseitiges ehrenamtliches Engagement zurück. Über mehrere Jahrzehnte war er Schiedsmann. Außerdem arbeitete er als öffentlich bestellter Gutachter der Handwerkskammer Münster, gründete den Judoclub Ahlen und stand ihm als Vorsitzender vor. Er war Mitglied im Kirchenvorstand St. Josef und gehörte dem Kreistag Warendorf an. Jetzt hat Neumann die erste Ausgabe seines Buches Bürgermeister Matthias Harman überreicht. Der freute sich über das Geschenk. Für ihn sei es immer wieder spannend, Neues über die Geschichte Ahlens und über die Menschen zu erfahren, die hier gelebt haben und leben. Er versprach, die Lebenserinnerungen schnell zu lesen.

Vielleicht passt kaum ein anderer Satz so gut zu Neumanns Lebensweg wie ein Zitat der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, das ihn nach eigenen Worten seit vielen Jahren begleitet: „Nach lieben ist helfen das schönste Zeitwort der Welt.“ Seine Lebenserinnerungen versteht Neumann offenbar auch als Rückblick auf ein Leben, in dem dieses „Helfen“ im Beruf, im Ehrenamt und in vielen persönlichen Begegnungen immer wieder eine Rolle gespielt hat.

Das 93-seitige Buch kostet zehn Euro und ist direkt bei Helmut Neumann erhältlich. Kontakt: hneumann121039@gmail.com 
 


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