Weiter zum Inhalt

Wärmepumpen-Infotag räumt mit Vorurteilen auf

| Top-Meldungen | Umwelt | Wohnen

Die Unsicherheit ist groß, das Interesse ebenso. Wie wirken sich die neuen Förderregeln aus? Passt eine Wärmepumpe zum eigenen Haus? Und welche Heizung ist zukunftssicher? Antworten auf diese Fragen suchten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beim zweiten Wärmepumpen-Infotag im Ratssaal des Ahlener Rathauses.

Fachvorträge, individuelle Beratung und Gespräche mit örtlichen Handwerksbetrieben und der Verbraucherzentrale NRW standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Seit wenigen Tagen gelten neue Regeln für die Heizungsförderung des Bundes. Die Grundförderung von 30 Prozent für klimafreundliche Heizungen bleibt bestehen. Zusätzliche Zuschüsse werden künftig jedoch stärker nach Einkommen und Familiensituation gestaffelt. Gleichzeitig sinken die maximal förderfähigen Investitionskosten von 30.000 auf 28.000 Euro je Wohneinheit. Nach einer Förderzusage bleiben Eigentümern weiterhin 36 Monate Zeit für den Heizungstausch. Bereits bewilligte oder fristgerecht beantragte Förderungen sind von den Änderungen nicht betroffen.

Bürgermeister Matthias Harman griff die Verunsicherung vieler Hausbesitzer gleich zu Beginn seiner Begrüßung auf. „Wenn es um das Heizen geht, ist eines derzeit fast so zuverlässig wie die nächste Heizperiode: die Verunsicherung“, sagte er. Die Diskussionen der vergangenen Monate hätten viele Menschen eher verwirrt als informiert. „Viele fragen sich: Was gilt denn nun eigentlich? Welche Technik passt zu meinem Gebäude?“ Genau hier wolle die Stadt Orientierung geben. „Unser Ziel ist es nicht, jemanden von einer bestimmten Technik zu überzeugen. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben. Denn gute Entscheidungen trifft man am besten auf der Grundlage guter Informationen“, betonte Harman. Dass der Informationsbedarf groß ist, habe bereits die Premiere des Wärmepumpen-Infotages im vergangenen November gezeigt. Der Ratssaal war damals bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine anschließende Befragung ergab, dass 96 Prozent der Teilnehmenden eine Wärmepumpe grundsätzlich auch für ihr Gebäude als geeignet einschätzten und ebenso viele konkrete nächste Schritte gehen wollten.

Den Fachvortrag hielt Anja Floetenmeyer-Woltmann, Mitglied im Wärmepumpenbeirat der EU-Kommission und EU-Klimapakt-Botschafterin. Herstellerunabhängig erläuterte sie, wie der Umstieg auf eine Wärmepumpe im Ein- und Mehrfamilienhaus gelingen kann und welche Rolle Photovoltaik künftig noch mehr spielen wird. „Die Fläche Bayerns mit Solarmodulen zu belegen, reicht aus, um ganz Europa mit Energie zu versorgen“, sagte sie mit Blick auf das enorme Potenzial der Solarenergie. „Wir bekommen 10.000-mal mehr auf die Mütze, als wir verbrauchen können.“ Zugleich räumte die Expertin mit verbreiteten Missverständnissen auf. Gas- und Ölheizungen blieben zwar weiterhin erlaubt, würden aber unter anderem durch steigende CO₂-Kosten künftig teurer. Zudem seien bereits heute 56 Prozent der Gebäude mit nur wenigen Dämmmaßnahmen für eine Wärmepumpe geeignet.

Wer über einen Heizungstausch nachdenkt, sollte nach ihrer Einschätzung zunächst unabhängige Beratung in Anspruch nehmen. Energieberater informierten neutral über Technik, Wirtschaftlichkeit, Förderprogramme und Betriebskosten. Auch die Kosten einer Energieberatung könnten bezuschusst werden. Ihr Rat: „Gut informieren, Beratung nutzen, Fördermittel prüfen, langfristig planen und auf erneuerbare Heiztechnik setzen.“ Parallel zu den Vorträgen nutzten viele Besucher den Beratungsmarathon mit örtlichen Heizungsfachbetrieben und der Verbraucherzentrale NRW. Dabei ging es um ganz praktische Fragen von der Eignung einzelner Gebäude über die Dimensionierung einer Wärmepumpe bis hin zu Fördermöglichkeiten.

Auch die kommunale Wärmeplanung war Thema des Abends. Gemeinsam mit den Stadtwerken Ahlen und der BBH Consulting AG arbeitet die Stadt seit Mai an einer Bestands- und Potenzialanalyse. Ziel ist es, die Wärmeplanung bereits im dritten Quartal 2027 und damit deutlich vor der gesetzlichen Frist abzuschließen. Sie soll aufzeigen, welche klimafreundlichen Lösungen in den einzelnen Stadtgebieten sinnvoll sind, ohne Eigentümer auf eine bestimmte Heiztechnik festzulegen.

Klaudia Froede, Leiterin der städtischen Stabsstelle für Klimaschutz und Mobilität, warb dafür, unbegründete Vorbehalte abzubauen. „Für jedes Haus und jede Lebenssituation gibt es eine passende Wärmepumpe“, sagte sie. Wer sich informieren möchte, könne sich an die Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW wenden oder die Internetportale „Energiesparkommissar“ und „Energie-Effizienz-Experten“ nutzen. Der zweite Wärmepumpen-Infotag machte deutlich: Viele Eigentümer wollen ihre Heizungsmodernisierung gut vorbereitet angehen. Die Veranstaltung bot dafür nicht nur aktuelle Informationen zu Technik und Förderung, sondern vor allem die Möglichkeit, offene Fragen direkt mit unabhängigen Fachleuten und Handwerksbetrieben zu besprechen.


Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Stadtportal Ahlen | Impressum