Seit Mitte Juni sind die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Team des stationären Bereichs vorübergehend in das Torhaus an der Warendorfer Straße umgezogen. Koordination und Verwaltung der Hospizbewegung beziehen während der Bauphase neue Räumlichkeiten an der Oststraße 1a, wo geeignete Gesprächs-, Beratungs- und Seminarräume zur Verfügung stehen. Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass Ratsuchende und Interessierte sich nur an den neuen Verwaltungsstandort wenden sollen. An den Torhäusern stehen keine Beratungs- oder Informationsräume zur Verfügung.
Im Nonnengarten beginnt jetzt der umfassende Umbau des Hospizzentrums. Nach Abschluss der Arbeiten wird die stationäre Einrichtung statt bislang acht künftig zehn Gästezimmer bieten, alle mit eigenem Bad. Hinzu kommen moderne Arbeitsbereiche für die Mitarbeitenden, Seminarräume für die zahlreichen Ehrenamtlichen sowie ein Gäste-Appartement für Angehörige. Energetisch wird das Gebäude fit für die Zukunft gemacht: Geplant sind unter anderem eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage sowie eine umfassende Dämmung.
Neu unter einem Dach vereint werden künftig die stationäre und ambulante Hospizarbeit sowie das palliativmedizinische Forum, in dem Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit Koordinationskräften die ambulante Palliativversorgung im Kreis Warendorf koordinieren. Mit Gesamtkosten von rund 4,5 Millionen Euro ist der Umbau das größte Projekt in der Geschichte der kreisweiten Hospizbewegung. Rund eine Million Euro muss durch Spenden finanziert werden. „Wir sind zuversichtlich, es zu schaffen“, sagte der Vorsitzende Norbert Westerhoff. Unterstützung erfahre die Hospizbewegung aus allen Städten und Gemeinden des Kreises sowie aus Lippetal. Die Bewegung verfügt in diesen Kommunen (mit Ausnahme Ostbevern) über eigene Hospizgruppen. Auch die Beschäftigten der Stadt Ahlen hätten mit ihrer Spendencent-Aktion bereits ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt, freut sich Bürgermeister Harman.
Hospizarbeit bedeute nicht nur Begleitung schwerkranker Menschen, macht Norbert Westerhoff deutlich. Das Hospiz verstehe sich als weltanschaulich neutraler Ort. Menschen aller Konfessionen seien ebenso willkommen wie Menschen ohne religiöse Bindung. Geistlicher Beistand werde auf Wunsch vermittelt, eine aufsuchende Seelsorge gebe es jedoch bewusst nicht. Oberste Prämisse sei das Toleranzgebot. „Als unabhängige Hospizbewegung können wir unsere Haltung zu ethischen Fragen selbst entwickeln. Das gibt Freiheiten und Gestaltungsspielräume“, betont der Vorsitzende. Bereits vor dem Einzug werde gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen sorgfältig ermittelt, welche Wünsche und Bedürfnisse bestehen. Nicht selten entstünden dadurch wichtige Gespräche und Klärungsprozesse innerhalb der Familien.
Imposant sind auch die Zahlen hinter der Arbeit. Rund 1.080 Mitglieder unterstützen die Hospizbewegung, der überwiegende Teil als Fördermitglieder. Etwa 280 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter engagieren sich nach Abschluss eines intensiven Vorbereitungskurses in ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern der Hospizbewegung. Dazu zählen die ambulante Sterbebegleitung im häuslichen Umfeld und in Pflegeeinrichtungen, die Begleitung trauernder Menschen, Gesprächs- und Beratungsangebote zu den Themen Sterben, Trauer und Patientenverfügung sowie die Mitwirkung als Referentinnen und Referenten in Vorbereitungskursen zur Sterbebegleitung für interessierte Bürgerinnen und Bürgern. Darüber hinaus engagieren sich viele Ehrenamtliche in der Vereinsorganisation, bei Vorträgen und aktuell ganz praktisch beim Auszug aus dem Hospizzentrum, um den Weg für die umfangreichen Bauarbeiten freizumachen. Viele Ehrenamtliche berichteten, dass sie durch diese Aufgabe auch für ihr eigenes Leben wertvolle Erfahrungen gewönnen.
Jährlich müssen rund 220.000 Euro an Spenden für den laufenden Betrieb eingeworben werden. Für Einrichtungsleiter Johannes Horstmann erfüllt die Hospizbewegung eine wichtige gesellschaftliche Funktion. „Wir sagen auch: Wir sind die organisierte Nachbarschaft.“
Neu im Vorstand engagiert sich als stellvertretende Vorsitzende Regina Breitenbach. Die ehrenamtliche Sterbebegleiterin suchte nach ihrem Eintritt in den Ruhestand bewusst eine Aufgabe mit Sinn. „Menschen, die die Hospizidee gemeinsam tragen, das hat mich fasziniert.“ Die Arbeit berühre existenzielle und philosophische Fragen und bereichere sie auch persönlich. Aus eigener Erfahrung wisse sie zudem, wie tröstlich es sei, in der letzten Lebensphase eines Angehörigen „jemanden dabeizuhaben“.
Mit 42 Beschäftigten auf 24 Vollzeitstellen und einem Jahresumsatz von rund 1,9 Millionen Euro ist die Hospizbewegung eine relevante Arbeitgeberin in der Region. Vor allem aber lebt sie vom außergewöhnlichen bürgerschaftlichen Engagement. Bürgermeister Matthias Harman zeigte sich nach seinem Besuch tief beeindruckt. Das Hospizzentrum sei „ein anerkannter Ort der Würde und Geborgenheit“. Hier kämen fachliche Kompetenz und ehrenamtliches Engagement in beispielhafter Weise zusammen. „Etwas Besseres kann es gar nicht geben. Darauf dürfen wir in Ahlen stolz sein.“ Auf die Einweihung der neuen Räume freue er sich bereits heute.
Weitere Informationen zur Hospizbewegung im Kreis Warendorf sowie Möglichkeiten zur Unterstützung finden Interessierte unter www.hospizbewegung-waf.de



